Italienischer Ska - das ist eigentlich eine Verbindung, die ideal für meinen Geschmack sein sollte. Ist doch Ska eine Musikrichtung, die mich immer schon fasziniert und gefallen hat - und meine italophile Ader ist immer noch so ausgeprägt, dass ich die Idioten vom Stiefel bei Freunden dafür verteidige, dass sie einen Berlusconi zum dritten Mal gewählt haben. Unvergessen das Halbfinale bei der letzten Weltmeisterschaft, dass ich im Rahmen einer Gartenparty verfolgte und bei dem alle Anwesenden dachten, mein Italien-Trikot wäre eine billige Provokation, bis Fabio Grosso die italienische Führung erzielte und ich wie von der Tarantel gestochen aufschrie und wild jubelte (eine Reaktion, die ich von mir gar nicht erwartet hatte) - und den Rest des Abends eher distanziert-ungläubig angesehen wurde....

Diese "Italienverliebtheit" lässt mich dann auch regelmäßig zu Platten greifen, die ich eigentlich nicht mit der Kneifzange anfassen würde. Warum ich z.B. Luca Carboni-CDs nett finde oder mir immer wieder mal die neuen Sachen von Piero Pelù oder Neffa anhöre, kann ich mit gesundem Menschenverstand nicht erklären.

Doch seltsamerweise funktioniert meine Liebe zu italienischen Produkten bei Skaplatten nur in den seltensten Fällen. Die bekannteste Ska-Band Banda Bassotti lässt mich völlig kalt und auch andere Vertreter dieses Genres wie Arpioni oder Radici nel Cemento haben mich bisher noch nie zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Ok, Roy Paci macht fantastische Musik, aber erstens ist er Sizilianer (also kein echter Italiener), zweitens macht er keinen reinen Ska und drittens ist er erst richtig gut geworden nach seiner Zusammenarbeit mit Manu Chao und daher musikalisch schon ein halber Spanier.....


Als ich vor einigen Wochen einen Link zu der italienischen Ska-Band Talco in die Finger bekam, war ich daher ziemlich skeptisch. Und die Hörproben, die ich von ihrer ersten CD "Tutti Ascolti" vernahm, liessen mich auch nicht unbedingt jubelnd aufjauchzen.

Talco geriet in Vergessenheit. doch tauchte aber noch einmal glücklicherweise wieder auf, als das Mestizoportal "rebel sounds" eine neue Platte vorstellte und auf die myspace-Seite der Band verlinkte. Und da machte es auf einmal 'klick' und Talco hatte mich gefangen.

Sie nennen ihre Musik "CombatSka" und obwohl mir diese Wortschöpfung eigentlich zu martialisch ist, trifft es den musikalischen Kern der Musik recht treffend. Treibender Beat, immer straight geradeaus gespielt - eine Fusion von Punk und Ska, aber durch den Einsatz der Trompete mit einer gewissen Leichtigkeit und Verspieltheit ausgestattet, treffen Talco bei mir genau den Nerv. Das ist musikalisch nicht besonders anspruchsvoll und man kann "Combat Circus" auch nicht ständig hören, aber um sich mal eine knappe Stunde musikalisch so richtig zu verausgaben, dafür sind Talco die idealen Begleiter.

Inzwischen habe ich gesehen, dass sie ihre dritte CD namens "Mazel Tov" herausgebracht haben - ich bin gespannt, ob mit dem neuen Album meine Liebe zu italienischen Ska-Alben bestehen bleibt oder wieder erlischt......

Foto: 803 auf flickr

Talco Homepage
(verlinkt zur Zeit aber nur auf die myspace-Seite)
Talco auf myspace