Sonntag, 11. Mai 2008
Selten habe ich solche Schwierigkeiten bei der musikalischen Einordnung einer Platte so viele Schwierigkeiten gehabt wie bei der CD "Maya Ye!" von Ma Valise. Denn Ma Valise ist eine jener Bands, die ohne Rücksicht auf musikalische Traditionen alle möglichen Arten von weltmusikalischen Genres in ihre Stücke packen - Hauptsache, der Rhytmus gefällt ihnen. Da reiht sich Balkan-Brass an afrikanischen Melodien und die karibische Rhythmen verbinden sich mit französischer Musette. Bei so einer musikalischen Vielfältigkeit werde selbst ich erst einmal stutzig, erinnert mich eine solche Mischung doch an die vielen gruseligen Weltmusikbands, die in den achtziger Jahren bei fast jeder Abschlusskundgebung unzähliger Demonstrationen auf der Bühne auftauchten und Musik aus allen politisch interessanten Landern dieser Erde zum Besten gaben. Da wechselten sich südamerikanische Revolutionslieder an kurdische Balladen und wurden schließlich von afrikanischen Kreistänzen abgelöst. Und junge Frauen und Männer mit langen Haaren und wallenden Kleidern bewegten verzückt ihre Augen und Körper zu den politisch so wichtigen, musikalisch aber unterirdischen Klängen........

Doch Ma Valise unterscheiden sich glücklicherweise deutlich von den grauenvollen Mischungen, die ich aus längst vergangenen Tagen in Erinnerung habe. Denn erstens sind es weniger politische denn musikalische Gründe, die bei der Liedauswahl eine Rolle spielen. Zum anderen verstehen es Ma Valise sehr genau, die Melodien und Rhythmen verschiedenster Kulturen auszuwählen, die zu ihrem musikalischen Gesamtkonzept passen. Und so ist das Album Maya Ye! bei aller Vielseitigkeit dorch erstaunlich stimmig und ausgewogen. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Gruppe doch bei aller Internationalität ihre Wurzeln deutlich in Frankreich hat und das Akkordeon eines der bestimmenden Instrumente auf der CD ist.

Ma Valise kommen aus dem Weinanbaugebiet südlich von Nantes - um exakt zu sein aus Clisson - und spielen seit 1999 unter diesem Namen zusammen. Der Name der Band spiegelt nicht nur die Reiselust der Gruppe wider (Konzerte in Deutschland, England, Bosnien, Marokko), sondern schlägt sich auch in dem oben beschriebenen einzigartigen Musikstil nieder. Aber nicht nur musikalisch wird der Koffer gepackt, auch die Texte der Lieder sind mehrsprachig. So singen Ma Valise neben französisch, auch in englisch, rumänisch, creolisch und spanisch. Kritisch werden in den Texten die gesellschaftlichen Verhältnisse hinterfragt und auf Mißstände hingewiesen. So ist z.B. der Song "Chant des sans" allen gewidmet, die zu den VerliererInnen dieser globalisierten Welt zählen.

Insgesamt ist Ma Valise eine jener vielen neuen französischen Bands (neben Leoparleur, Les Blerots de Ravel, Les Grosses Papilles u.v.a.), die einen Weg gefunden haben, den französischen Chanson mit Elementen aus anderen Kulturen zu bereichern. Und anders als ihre spanischen Kollegen, die traditionell eher den musikalischen Blick gen Mittel- und Südamerika gerichtet haben, sind es afrikanische und karibische Einflüsse, die ein multikulturelles Frankreich prägen und die von den neuen Bands aufgegriffen werden. Heraus kommt Musik, die die französische Musikkultur mit neuen Elementen bereichert - und die man immer mal wieder hören möchte.......


Foto: Pressefoto Ma Valise von Philippe Lambert

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