Freitag, 12. November 2010
2002 auf dem SummerStage im Kölner Tanzbrunnen habe ich Ojos de Brujo das erste und einzige Mal bisher live gesehen. Und das war damals schon ziemlich beeindruckend, wie die Band Tradition und Moderne miteinander verband und unterschied sich damit ziemlich deutlich von dem, was sich sonst so alles unter dem Begriff Mestizo versammelte. Denn der Versuch, HipHop, Funk und Reggae mit Flamencorhythmen zu verbinden, war schon ziemlich einzigartig und neu - und das Ergebnis dieser Verbindung absolut hörenswert.....

In diesen Tagen bringen Ojos de Brujo zum 10 jährigen Bandbestehen eine Platte namens "Corriente Vital" heraus, die (bis auf den Titeltrack) bereits bekannte Titel ihrer Karriere enthält - allerdings neu eingespielt mit so illustren Gästen wie z.B. Roldan von den Orishas, Nitin Sawhney, Bebe, Los Pericos oder Estopa. Klingt vielversprechend und spannend - ist es aber leider nicht so richtig. Denn die Songs bewegen sich größtenteils in den bekannten Bahnen der Originale und enthalten nur wenig Neues. Zwar bringen die Gastsänger durchaus die eine oder andere frische Note in das musikalische Menu der Gruppe, insgesamt bieten die Interpretationen aber zu wenig Überraschendes. Das ist schade - aber auch ein bisschen charakteristisch für die letzten Jahre, denn schon das vorherige Album der Gruppe war in meinen Augen kein Kracher, sondern eher eine nette, aber etwas belanglose Produktion. Und das trifft auch auf "Corriente vital" zu - die Platte ist keinesfalls schlecht, aber dümpelt doch ein wenig ohne echte Höhepunkte vor sich hin.

Vielleicht haben das auch Ojos de Brujo selber erkannt, denn die Platte wird gleichzeitig ihre letzte gemeinsame Veröffentlichung sein. Die Gruppe hat angekündigt, sich nach einer längeren Tour aufzulösen. Bleibt zu hoffen, dass sie ihre Abschiedstour auch in hiesige Gefilde führt, denn live sind Ojos de Brujo immer und immer wieder ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. Leider habe ich bisher noch keine ausführlichen Tourdaten gefunden.

Mit "Corriente Vital" ist den Ojos de Brujo sicherlich nicht der ganz große Wurf gelungen - allerdings bietet die CD einen guten Überblick über die Musik der Gruppe und ist im Gegensatz zu einer reinen Best-of-CD auch für den Ojos de Brujo-Aficionado interessant.

Foto: svenwerk auf flickr

Ojos de Brujo Homepage
Ojos de Brujo auf myspace




Donnerstag, 2. September 2010
Wie mag es wohl klingen, wenn Manu Chao irgendwann einmal auf die Idee kommen sollte, eine Oper zu produzieren? Die Frage klingt hirnrissig (ist es wahrscheinlich auch), angesichts des Ergebnisses seiner letzten Produzententätigkeit hat sie aber auch eine gewisse Berechtigung...
Denn die Frage, wie es klingt, wenn Manu eine afrikanische HipHop-Gruppe produziert, ist auf den ersten Blick ebenso weit hergeholt - aber seit wenigen Wochen kann man das Ergebnis dieser Kollaboration tatsächlich begutachten.

Angedeutet hatte es sich ja schon vor längerer Zeit, als Manu Chao anläßlich der Promotion seiner letzten Studiio-CD "La Radiolinea" vor ziemlich genau zwei Jahren ankündigte, dass er demnächst eine Platte für den Sohn des malischen Ehepaars Amadou et Mariam, der in Bamako als HipHopper unterwegs ist, produzieren wolle. Es hat lange gedauert, doch jetzt gibt es endlich die lang erwartete CD von Smod (so der Name der Band). Entstanden sein soll die Zusammenarbeit zwischen Manu Chao und Smod übrigens, als Manu in Bamako weilte, um die Platte "Dimanche a Bamako" einzuspielen und nachts mit dem Sohn und seinen Freunden auf der Dachterasse jammte.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist überraschend und erwartbar zugleich. Denn die Jungs von Smod entsprechen so gar nicht dem Stereotyp, den man gemeinhin von Rappern erwartet. Adrett frisiert und gekleidet und mit Gitarre ausgerüstet sehen die drei jungen Männer eher wie strebsame Oberschüler aus und haben mit dem Gangsta-Rapper, der von Goldkette, Sportwagen und Bitches träumt, so wenig gemeinsam wie Atomenergie mit Umweltschutz. Auch entspricht ihre Art zu rappen nicht dem allgemeinen Klischees - ihr "Rap" ist eher eine Mischung aus Folklore, Gesang und Sprache.

Hört man aber die Melodien der Songs, dann fällt zuallererst auf, dass die typischen Zutaten, die Manu Chaos Alben ausmachen, auch auf dem Debut von Smod unüberhörbar auftauchen. Dieser Klangteppich aus akustischer Gitarre, Soundschnipsel und Loops klingt dann auch weniger nach afrikanischem HipHop, sondern eher nach einem von Afrika inspirierten Manu Chao.

Das macht die Songs aber beileibe nicht schlecht, denn es gelingt Manu Chao wieder einmal hervorragend, mit seinem Stil eine Stimmung zu erzeugen, die schon seine ersten Soloalben ausgezeichnet hat. Ziemlich relaxt und mit einem ganz eigenen Groove betören die Lieder, ohne kitschig zu werden. Insbesondere die Singleauskoppelung "Ca Chante" hat alle Voraussetzungen, zu einen echten Sommerhit. Dafür ist es jetzt zwar schon etwas spät, aber Manus "King of Bongo" brauchte auch mehrere Jahre, um von der Masse entdeckt zu werden.....

Dennoch bleibt man etwas irritiert nach dem Hören der Platte und fragt sich, ob Manu Chao der Band wirklich einen Gefallen getan hat, als er ihre Platte produziert hat. Zwar bringt diese Zusammenarbeit der bis dahin in Europa völlig unbekannte Gruppe eine schnelle Bekanntheit - ob es Smod aber gelingen kann, sich von dem übergroßen Schatten ihres Produzenten zu lösen und ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen, ist leider fraglich. Denn verdienst hätte es Smod zweifelsohne....

Smod auf myspace




Dienstag, 10. August 2010
Ich weiß gar nicht mehr, wer mir den Tip gegeben hat, mich mit dieser Platte mal näher zu beschäftigen - und ich weiß immer noch nicht, ob ich dem unbekannten Tipgeber nun dankbar sein soll oder nicht? Denn Shangaan ist eine Compilation, die doch ziemlich den Rahmen dessen sprengt, was ich sonst so höre.

Zuerst die Fakten. Shangaan ist ein Musikstil aus Südafrika, bei dem mittels Keyboard, Marimba und Orgel ein minimalistischer und gleichzeitig irre schneller Sound erzeugt wird. Die Platte wird von einem kleinen englischen Label herausgebracht, welches schon in der Vergangenheit des häufigeren mit ziemlich exotischen Zusammenstellungen überrascht hat. Denn man braucht schon einiges an Mut und innerer Überzeugung, um beispielsweise eine CD mit türkischen Funk und Rocksingles aus den 60er Jahren wieder zu veröffentlichen - oder eben eine Compilation mit total abgedrehtem Minimaltechno aus dem Nordwesten Südafrikas. Aus dieser Region kommt die gleichnamige Volksgruppe der Shangaan, dessen musikalische Pioniere wie Black Beautiful Culture, Tshetsha Boys oder Tiyiselani Vomaseve ihre musikalischen Ergüsse in einem kleinen Studio in Soweto eingespielt haben.

Das Ergebnis ist zunächst absolut umwerfend. Die Symbiose von traditionellen Rhythmen mit einfach produzierten und fast schon billig anmutenden Beats ist ziemlich heftig und wirkt anachronistisch und innovativ zugleich - und knallt ungemein........

Leider wiederholt sich das musikalische Konzept in nahezu jedem Lied. Vielleicht hätte es der Platte gut getan, wenn nicht nur ein Produzent seine Finger bei der Einspielung im Spiel gehabt hätte - denn so klingen die einzelnen Stücke viel zu gleich. Mag sein, dass diese ständige Wiederholung der Motive und der Instrumentierung auf der Tanzfläche einen gewissen hypnotischen Effekt erzeugen kann - am heimischen CD-Player stellt sich spätestens nach dem dritten Stück ein gewisser Überdruss ein.

So bietet "Shangaan Electro" eine faszinierende musikalische Reise in ein völlig unbekanntes Genre - und in Massen genossen, kann die Platte durchaus überzeugen. Man sollte sich allerdings davor hüten, die Platte ständig aufzulegen und aufzudrehen - die Nachbarn werden es danken.....


Mindestens ebenso aufregend wie die Musik sind die Promovideos für "Shangaan Elektro". Der Tanzstil wäre in jeder Großraumdisco zwischen Flensburg und Breisach eine Zierde- und das Techno und Tierschutz durchaus vereinbar sind, beweisen die Bilder ab 1:43 Min.




Mittwoch, 26. Mai 2010
Zurück zu Louise Attaque: Auch wenn die Band seit längerem inaktiv ist, taucht ihr Name in der jüngeren Vergangenheit doch recht häufig in diversen, sich mit Musik beschäftigenden Publikationen auf. Grund dafür ist das Wirken des Sängers Gaetan Roussel, der neben einigen Kollaborationen mit anderen französischsprachigen Musikern vor wenigen Wochen seine erste Soloplatte namens "Ginger" herausgebracht hat.

Manchmal ist es ja nur schwer nachzuvollziehen, warum ein bestimmter Interpret jetzt unbedingt neben seiner Bandarbeit auch noch ein Soloprojekt auf den Markt bringen muss, nur weil er unbedingt glaubt, Solo seine eigenen Ideen besser umsetzen zu können.
Diesen Vorwurf kann man Gaetan Roussel nicht machen. Ginger ist ein wildes Sammelsurium von verschiedenen Sprachen, Sounds und Rhythmen, welches mit dem musikalischen Stil von louise Attaque nichts gemeinsam hat. Die Bandbreite ist gewaltig und schwer zu beschreiben. Musik, die an amerikanische Roadmovies erinnert, überladener Bombastrock, rhythmusgeprägter Pop, Chanson und vieles mehr ist auf der Platte zu hören. Doch diese Vielseitigkeit ist gleichzeitig auch das Problem des Albums. Manchmal wirkt die Platte so, als wolle Gaetan Roussel all das, was ihm musikalisch im Kopf rumspukt und was er bisher nicht in seinen Bands hat einbringen können, jetzt in diesem Album verarbeiten will. So entstand ein Album, welches eher an einen bunten Gemischtwarenladen erinnert als an eine homogene und in sich stimmige Produktion.

Doch so schlecht ist die Platte gar nicht. Da ist zum einen die einzigartige Stimme Gaetan Roussels, die die unterschiedlichen Stilrichtungen wie eine Klammer zusammenfasst und dann doch eine gewisse Einheitlichkeit geben. Und es sind Songs wie die aktuelle Singleauskoppelung "Help myself", die sich nach anfänglicher Irritation über den ungewohnten Stil irgendwann einen gewissen Groove kriegen und sich unauslöschlich in die hinteren Hirnwindungen eingraben.

Mit "Ginger" ist Gaetan Roussel sicherlich nicht der geniale Wurf gelungen. Aber die CD enthält einige Songs, die ein häufigeres Hören durchaus verdienen....

Gaetan Roussel Homepage




Dienstag, 11. Mai 2010
Es gibt ja immer wieder Interpreten, die infolge der ständigen Neuerscheinungen und Neuentdeckungen in Vergessenheit geraten. Wenn man Glück hat, findet man ein oder zwei Songs auf
irgendwelchen Samplern, die man selber mal vor langer Zeit zusammengestellt hat, erinnert sich beim Wiederhören an den Interpreten und fragt sich, was aus dem Künstler in der Zwischenzeit wohl geworden ist. Und wenn einem diese Frage so wichtig ist und man sie bis zum nächsten Besuch im World Wide Web nicht wieder vergessen hat, dann kann man dank Wikipedia und Google die offene Frage unter Umständen auch beantworten.

Mir ging es unlängst so mit Stefano Miele. Seine Platte "Globalizm Vol.1", auf der (süd-)italienische Folklore durch den Remixwolf gedreht worden ist, hat mir vor zwei Jahren ausnehmend gut gefallen. Aber die erhoffte Vol. II ist nie erschienen und Stefano Miele verschwand langsam, aber sicher aus meinem Blickfeld. Bis vor einigen Wochen, als sich mir plötzlich ein Mix des Balkan Beat Box - Klassikers "Bulgarian Chicks" in die Gehörgänge eingrub, welches ich nicht mehr loswerden konnte. Zu verantworten hatte diesen Ohrwurm ein gewisser Riva Starr, der aus England kam und dem Vernehmen nach in der Houseszene mit seinen ethnogewürzten Mixes ein gewisses Aufsehen erregte. Die Recherche ergab dann, dass es sich bei Riva Starr eigentlich um den von mir vergessenen Stefano Miele handelt, der jetzt statt italienischer Folklore eher Balkan- und südamerikanische Klänge remixt und seine Tracks noch cluborientierter aufbaut.

Das gefällt mir nicht immer - denn leider gibt es auf seiner ersten Platte einige Nummern, die keine oder nur wenige Ethnoeinflüsse verarbeiten und in meinen Ohren ziemlich eintönig und beatorientiert sind. Gerade wenn man die Platte in einem Rutsch durchhören möchte, wird man als nicht houseaffiner Mensch von den permanenten Beats irgendwann regelrecht erschlagen.

Aber es gibt auch dicke Pluspunkte: Zuallererst der Titel - "If Life Gives You Lemons, Make Lemonade" ist zwar keine Erfindung von Stefano Miele aka Riva Starr, sondern eine ältere allgemeine Redewendung, aber auf die Idee, diesen Satz zum Titel einer CD zu machen, muss man erst mal kommen. Und dann - ungleich wichtiger - sind einige Stücke durchaus hörenswert und gelungen. Insbesondere bei den balkanorientierten Mixes beweist Riva Star ein sehr kreatives Händchen und produziert höchst tanzbeinfreundliche Musik. Und mit "I was drunk" hat Riva Starr einen Track gezaubert, der einfach klasse ist und den Kauf der Platte alleine rechtfertigen würde - gäbe es inzwischen nicht die Möglichkeit, auch einzelne Titel einer CD zu erwerben.

Die Krönung ist aber das Video zu "I was drunk" und Black cat, white cat" welches aus gesampelten Videosequenzen des Kustorica-Films besteht und schlichtweg großes und allerfeinstes Kino ist - und in mir den innigen Wunsch geweckt hat, mir den Film und besonders die Nagelszene unbedingt noch einmal ansehen zu müssen.

"If Life Gives You Lemons, Make Lemonade" ist nicht unbedingt der Soundtrack für das nächste Candlelight-Dinner - einige Somgs sind aber hervorragend geeignet, um bei offenem Fenster die Bässe der heimischen Anlage mit guter Musik mal so richtig krachen zu lassen. Ob das aber ausreicht, um den Kauf der ganzen CD zu rechtfertigen, vermag ich nicht zu entscheiden....

Unabhängig davon würde ich mir wünschen, dass Riva Starr auch seinen alter Ego Stefano Miele nicht vergißt und irgendwann einen Nachfolger von "Globalizm Vol.1" herausbringten möge.....

Riva Starr auf myspace
Riva Starr Blog

Stefano Miele auf myspace



RIVA STARR- I WAS DRUNK (feat.NOZE) & BLACKCAT WHITECAT from Riva Starr on Vimeo.




Freitag, 26. März 2010
Im Vorfeld der Platte habe ich mich schon gefragt, warum Amparo Sanchez, die begnadete Frontfrau ihre Band Amparanoia aufglöst hatte und zukünftig auf Solopfaden wandeln wollte. Denn Amparanoia war für mich Amparo Sanchez und es war mir nicht einsichtig, warum man "seine Begleitband" auflösen muss, um seinen Musikstil zu ändern.

Nach dem Hören des neuen Albums "Tucson - Habana" bin ich schlauer. Zwar gibt es auf der Platte ein paar Stücke, die man durchaus auch auf einem Amparanoia-Album vermuten könnte, insgesamt erkennt man aber dann doch deutlich, dass Amparo Sanchez einen deutlichen Schnitt machen wollte und dies am deutlichsten mit einem klar erkennbaren Bruch vollziehen konnte.

Als ich dann vor einigen Wochen das Video zur ersten Single hören und sehen durfte, befürchtete ich, dass Amparo Sanchez sich zu stark von Joey Burns und Calexico beeinflußt haben liess. Denn "Corazon de la Realidad" erinnert mit seinem Aufbau und diesen Trompetenfanfaren schon sehr stark an den typischen Calexico-Tex-Mex-Sound - und hatte auf dem letzten Calexico-Album ja schon einen ähnlich klingenden Vorläufer, denn auf "Carried to Dust" sang Amparo ja schon einmal einen typischen Calexico-Song.

Doch auch diese Befürchtung traf glücklicherweise nicht zu. Zwar ist die Handschrift von Burns und Co auf der CD durchaus zu erkennen, aber er ist keinesfalls prägend für das gesamte Album. Dafür sorgen neben Amparo Sanchez, die in dem Album durchaus starke eigene Akzente setzt, auch Gäste wie beispielsweise Omara Portuondo, die auf "La Parandita de las Santas" als Gastsängerin fungiert.

Auch das Konzept des Albums, welches gewissermaßen eine musikalische Reise von der amerikanisch-mexikanischen Grenzregion ins kubanisch Havana darstellt, sorgt für musikalische Vielseitigkeit und verhindert ein zu starkes Nachahmen von musikalischen Vorbildern. Ob dieses musikalische Konzept aber gelungen ist, vermag ich auch nach mehrmaligem Durchhören nicht eindeutig zu beurteilen. Positiv ist auf jeden Fall zu vermerken, dass Amparo Sanchez eine begnadete Sängerin ist, die hervorragend in der Lage ist, mit ihrer Stimme verschiedenste Gefühle und Sehnsüchte glaubwürdig und gefühlvoll zu transportieren. Ich hadere dagegen etwas mit der Songauswahl - die Songs sind allesamt sehr getragen und ruhig und manchmal mit Geige, Klavier und Besenschlagzeug fast schon kammermusikalisch - so als ob Amparo Sanchez jetzt mit allen Mitteln als ernsthafte Sängerin wahrgenommen werden möchte. Das wird ihr mit ihren unzweifelhaft vorhandenen Qualitäten hoffentlich gelingen, aber leider trifft sie mit dem musikalischen Weg, den sie eingeschlagen hat, nicht mehr hundertprozentig meinen Geschmack.

Wahrscheinlich bin ich aber auch einfach nur enttäuscht, dass Amparo Sanchez keine Lust hatte, dem musikalisch etwas brachliegenden Feld der Mestizomusik neue Impulse zu verleihen und zu neuer Blüte zu verhelfen. Diese Aufgabe hätte sie sicherlich mit Bravour lösen können, aber sie hat sich leider für einen anderen musikalischen Weg entschieden. Und mir gehen so langsam die möglichen Kandidaten für potentielle Mestizo-ErneuererInnen aus...

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Mittwoch, 20. Januar 2010
Vielleicht geht es ja auch nur mir so. Peter Fox und sein Stadtaffe ist unzweifelhaft ein klasse Album - aber irgendwann hat man sich an der Dauerbeschallung mit "Haus am See", "Schwarz zu blau", "Schüttel deinen Speck" etc. einfach sattgehört. Insofern war ich schon ziemlich unschlüssig, ob ich mir das soeben erschienene Livealbum "Peter Fox & Cold Steel - Live aus Berlin " wirklich antun soll. Aber da ich nicht das Vergnügen hatte, Peter Fox live zu sehen und wegen des (vorläugigen?) Ende seiner Solokarriere auch so schnell nicht mehr haben werde, habe ich mich dann doch für die Anschaffung entschieden - allerdings nicht ohne vorher meine Gehörgänge drei Wochen vorher zur Peter-Fox-freien-Zone zu erklären. Und siehe da: nach dieser erzwungenen Abstinenz zwirbelt die Musik von Peter Fox wieder prächtig....

Einschränkend muss man jedoch anmerken, dass eine Platte einfach zu wenig ist, um mit einem "Best of" (in der Regel sind das Live-Platten für mich) erneut den Markt abgrasen zu wollen - zumal die CD im Großen und Ganzen die Songs des Stadtaffen ohne größere Veränderungen lediglich in Live-Atmosphäre präsentiert - das aber unbestritten in sehr guter Qualität. Doch auch wenn man den ganzen Kram schon hundert Mal gehört hat, sind die Songs von Peter Fox einfach von herausragender Qualität und vertragen auch ein hunderteinmaliges Anhören.

Peter Fox & Cold Steel - Live aus Berlin ist nicht unbedingt Pflichtkauf - aber es gibt Platten, über deren Anschaffung ich mich wesentlich mehr geärgert habe......

Foto: U2005.com auf flickr




Donnerstag, 7. Januar 2010
Otto Ohm war in der Vergangenheit für mich immer eine gern gewählte Alternative, wenn mal wieder meine italophile Ader durchbrach und ich mir nach italienischen Momente zumute war. Die Band aus Rom verband auf ideale Weise italienischen Pop und modernen Rootsreggae zu einer nicht sonderlich ambitionierten, aber ganz netten und gut anzuhörenden Mischung. Ideal, um in verregneten Herbstabenden, kalten Wintertagen oder lauen Sommernächten einer unbestimmten Sehnsucht nachzuhängen.........

Vor einigen Wochen ist mit "Combo" das insgesamt vierte Album der Band mit dem vermeintlich komischen Namen erschienen. Otto Ohm heißt übersetzt 8 Ohm und ist ein gängiges Mass bei der Impedanz von Lautsprecherboxen (das habe ich aus dem Internet abgeschrieben, ohne irgend etwas verstanden zu haben....). Die Band existiert seit fast 13 Jahren und ist, wie so viele italienische Bands, in einem der zahlreichen Centri sociali (freie und autonome Kulturzentren) entstanden.

Beim ersten Hören der Platte bin ich schwer enttäuscht. Die Reggaerhythmen sind nur noch in homöopathischen Spuren zu entdecken - stattdessen dominieren wahlweise elektronische Einflüsse oder zuckersüßes Gitarrengeklimper. Die Band hat sich stark weg von Marley hin zu Ramazotti entwickelt, so dass man ein wenig den Eindruck hat, dass sie sich jetzt auch endlich ein größeres Stück vom kommerziellen Erfolg abschneiden möchte - koste es, was es wolle.....

Aber nach mehrmaligem Anhören muss ich mir eingestehen, dass meine Rezensionsfähigkeiten bei italienischen Plattenwieder einmal völlig versagen, denn inzwischen höre ich mir die Platte immer mal wieder mit deutlich gesteigertem Vergnügen an. Grund dafür ist sicherlich unter anderem die Stimme des Sängers Andrea Vincenzo Leuzzi, die nicht besonders schön ist, aber glaubhaft verschiedene Stimmungen transportieren kann und gut mit der weiblichen Stimme von Daniela Mariani harmoniert. Selbst in den Stücken, die typisch italienisch etwas melodramatisch vorgetragen werden, nervt die Stimme überraschenderweise selten. Aber wie gesagt, vielleicht bin ich auch einfach die falsche Person, um italienische Popplatten zu rezensieren........

"Combo" ist sicherlich nicht die beste Platte von Otto Ohm. Wem aber für seine persönlichen italienischen Momente Eros Ramazotti zu sehr Mainstream und Fabrizio de Andre zu schwer verdaulich ist, für den kann "Combo" eine durchaus interessante Alternative sein.

Wer aber Italien für ein vollkommen deppertes Land mit depperten Politikern und depperten Wählern hält, die ständig gelbehaart und sonnenbebrillt völlig kitschige Schlager hören - den wird "Combo" kaum dazu bringen, seine Ansichten über italienische Musik zu ändern (zumal sie ja teilweise durchaus stimmen....).

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Montag, 28. Dezember 2009
Es wird höchste Zeit, kurz vor dem Jahresende noch einmal ein Album so richtig abzufeiern. Da kommt die neue Platte der bayrischen "Blaskapellenband" LaBrassbanda gerade recht. Deren Erstling "Habediehre" war für mich die musikalische Entdeckung des letzten Jahres und gehört auch heute noch zu den immer wieder gern gehörten "älteren" Alben. So war ich ziemlich gespannt und voller Erwartungen, als das neue Album "Übersee" vor einigen Wochen angekündigt wurde.

Und es fällt sofort auf: LaBrassBanda besteht aus Musikern, die ihr Handwerk verstehen. Das gilt nicht nur für die Behandlung ihrer jeweiligen Instrumente, die sie virtuos beherschen. Gerade die drei Bläser spielen gestochen scharf und mit einer Präzision, die manche Bläsersektionen in anderen Bands dazu bringen müsste, ihre Instrumente für immer an die Wand zu hängen. Was aber in meinen Augen die Band besonders auszeichnet, ist die großartige Fähigkeit, nicht nur gute Melodien zu finden, sondern diese dann auch gekonnt zu arrangieren. Das ist wahrscheinlich nicht besonders einfach, weil die Zusammensetzung der Gruppe ziemlich untypisch sind. Der "Blaskapellenteil" ist durch Trompete, Tuba und Posaune vertreten und wird unterstützt von Schlagzeug und einem kapellenuntypischen Bass. Andererseits fehlt zu einer "echten" Rockband die sonst allgegenwärtige Gitarre - LaBrassBanda bewegen sich also irgendwo zwischen den StühlenStilen und beackern dieses musikalische Neuland virtuos. Egal, ob Funk, Reggae, Pop oder Dub - es ist immer ein großartiges Zusammenspiel der Instrumente, welches auch beim wiederholten Anhören einen irren Spass macht. Da stört es auch gar nicht, wenn im Vergleich zum Vorgänger die einzelnen Stücke etwas poppiger und gefälliger geworden sind und die ziemlich ausgereifte und professionelle Produktion etwas von dem anarchisch-bajuwarischen Charme des Erstlings verloren hat. Denn so ist "Übersee" ein Album geworden, welches sich sowohl für das heimische Wohnzimmer eignet als auch das Potential hat, auf z.B. Balkanparties den inzwischen etwas abgekühlten Brassmusikhype neu zu entflammen.....

"Übersee" ist ein richtiges Klassealbum. Abwechslungsreich, schöne Melodien, perfekte Arrangements - ich bin begeistert.

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Foto: rockzoom_de auf flickr

Leider gibt es (noch) kein offizielles Video der Band zur neuen Platte und die auf YouTube angebotenen Livemitschnitte mit Songs der neuen Platte sind aufnahmetechnisch von eher bescheidener Qualität. Deshalb kann ich nur mit diesem Standbildvideo dienen, welches aber immer noch besser als gar nichts ist..




Donnerstag, 3. Dezember 2009
Der Mozzarella ist schon ein komischer Käse. Solo genossen ist zumindest die frische Kuhmilchvariante (die Büffelvariante ist zumindest etwas intensiver) ein recht fades Geschmackserlebnis. Verbunden mit anderen Zutaten entpuppt sich dieses ödes kleine weiße wabbelige Stück Käse aber als ein wohlschmeckendes und wunderbares Nahrungsmittel. Ob mit Basilikum und Tomaten im nicht totzukriegenden Insalata Caprese, als Abschluss auf der Pizza oder als Schmankerl in der klassischen italienischen Tomatensauce - immer ist es der Mozzarella, der aus den einfachen Zutaten ein klienes kulinarisches Kunstwerk macht.

Ähnliches gilt auch für die katalanische Rumba. Solo genossen ist zumindest die klassische Variante schnell ein recht fades Hörerlebnis. Verbunden mit anderen Zutaten entpuppt sich diese eigentlich öde Abfolge einfachster Rhythmen plötzlich als ein höchst geschmeidiges und wunderbares Stückchen Musik. Den Beweis für diese These bietet die vom spanischen DJ Txarly Brown zusammengestellte Compilation "Más Achilifunk - Gipsy Soul From 21st Century", die teilweise großartige Songs und Mixe mit der Rumba catala beinhaltet. "Más Achilifunk" ist der Nachfolger der ebenfalls wundervollen Compilation "Achilifunk", die ich hier schon ausgiebig gelobt und gepriesen habe.

Nachdem sich das erste Album ausgiebig mit der Geschichte der katalanischen Rumba und ihren damaligen Verbindungen mit Rock, Beat und Disco beschäftigt hatte, ist das neue Album eine Auseinandersetzung mit den heutigen Heroen der Rumba catala und ihren Verbindungen mit Ska, Salsa, Reggae und anderen Rhythmen . Doch ist das Heute ohne das Gestern nicht vorstellbar - und so beginnt die Compilation musikalisch nicht weit entfernt von dem Ende der ersten CD. Höchstens an den etwas fetteren Beats kann man erahnen, dass die Aufnahmen der zweiten CD allesamt aus diesem Jahrtausend stammen. Doch nachdem die "älteren" Vertreter der Rumba mittels diverser Remixe ausreichend gewürdigt worden sind, widmet sich Txarly Brown den aktuellen Vertretern der immerjungen spanischen Musikrichtung - doch nicht im Original, sondern in originellen und auch für den Rumba-Aficinado neuen und bis dahin größtenteils unbekannten Versionen. Da sind z.B. Ale Costa & Dj Floro, die dem Muchachito Bombo Infierno-Knaller "Sera mejor" noch etwas tanzflächentauglicher gestalten. Oder DJ Sabo, der sich einen Song der von mir heissgeliebten La Troba Kung-Fu vorgenommen hat und mit einem höchst tanzbaren neuem musikalischen Gerüst versehen hat. Oder die Remixe der Songs von den hierzulande ziemlich unbekannten Bands Gertrudis, Makala, Pantanito und und und..... Aber egal, ob die Originalsongs aktuell oder älteren Datums sind, die auf der Platte ausgewählten Bearbeitungen sind fast alle von sehr ansprechender Qualität.

"Mas Achilifunk" von Anfang bis Ende ein absolut partytaugliches Album, welches man aber ohne Einschränkungen auch im heimischen Wohnzimmer genießen kann. Leider habe ich auf YouTube kein Video eines auf der CD enthaltenen Titel gefunden. Dafür bietet aber die Plattenfirma Lovemonk auf ihrer Homepage alle Titel komplett als Stream an, so dass man sich einen ersten, zweiten und dritten Überblick über die Platte verschaffen kann - und dann hoffentlich zuschlägt......