Mittwoch, 7. Februar 2007



Alex(inyoureyesit) auf flickr



Vor vielen Jahren besuchte ich in einer kleinen Stadt an der toskanischen Küste ein Plattengeschäft, um mich mit neuen CDs von mir unbekannten Bands einzudecken. Nun zeichnen sich Plattenläden in Provinzstädtchen nicht unbedingt durch ein breites Angebot aus - das ist in Italien nicht anders als in Deutschland. Nach diversen Hörproben entschied ich mich für eine Platte von den Modena City Ramblers.

Zwei Wochen später endlich wieder zu Hause angekommen, führte einer meiner ersten Gänge zum heimischen CD-Player und die erstandene CD wurde erstmals in voller Länge abgespielt und begutachtet. Nach drei Liedern landete der Name Modena City Ramblers auf meiner imaginären Liste von miesen Bands mit wohlklingenden Namen. Das Ganze klang nach irischem Folk mit italienischen Texten, eine für mich grauenvolle Mischung....

So widerstand ich in den Folgejahren oft den Verlockungen, mir nochmal eine CD von den City Ramblers zu kaufen, auch wenn mir immer mal wieder irgendwelche Leute von bestimmten Titeln vorschwärmten. Aber als die von mir sehr geschätzte Webseite schrillerille.ch die Platte "Radio Rebelde" in höchsten Tönen lobte und Parallelen zu Manu Chao erkannt haben wollte, war es mit meiner Zurückhaltung geschehen. Und wieder einmal entsprach die Rezension von schrillerille auch meiner Einschätzung - ein richtig gutes Album mit typischem Mestizo-Sound ohne irischem Gedudel.

Auf ihrer neuen Platte "Dopo il lungo inverno" haben sie (für mich) leider eine Rolle rückwärts gemacht - wieder stärkere irische Einflüsse vermiesen mir den Hörgenuss, auch wenn einige Titel (z.B. Western Union) durchaus interessant und nett klingen.

So landet der Name Modena City Ramblers für mich wieder vorübergehend(?) auf die Liste "schlechter" Bands mit schönem Namen .....



"Zugleich wird vom Genre der „Weltmusik“ oft eine Ursprünglichkeit und Wahrhaftigkeit erwartet, die an der Lebensrealität der Musiker weit vorbeigeht."


Britta Margraf in Matices über "Barcelona mestiza" und "Weltmusik"



Dienstag, 6. Februar 2007


smpte101 auf flickr



"Der Mordanschlag

Marley gab Jamaicas nationaler Volkspartei, „People's National Party (PNP)“ die Zusage, beim „Smile Jamaica“-Konzert im Dezember 1976 zu spielen. Ende November 1976 wurden Bob Marley, Rita Marley und sein Manager Don Taylor in Marley’s Haus durch ein Todeskommando, das mit Automatikfeuerwaffen auf Marley und seinen Manager zielte, verletzt. Der Angreifer feuerte acht Schüsse ab. Bob Marley’s Brust wurde unterhalb des Herzens aufgerissen und die Kugel bohrte sich in seinen Arm. Vor dem „Smile Jamaica“-Konzert bekam Marley, in dem Genesungslager in dem er sich aufhielt, von einem Mitglied der „Smile Jamaica“-Filmcrew, dem Kameramann Carl Colby, ein Geschenk: Ein neues Paar Lederstiefel. Als Marley den Stiefel anprobierte, verletzte er sich den Fuß an einem Stück Kupferdraht, der im Stiefel eingelassen war. Carl Colby ist der Sohn des ehemaligen CIA-Direktors William Egan Colby. Der englische Journalist Alex Constantine stellt in seinem Buch „Tötet den Rock’n’Roll“ daher die Frage, ob der Kupferdraht chemisch mit einem Krebs erzeugenden Gift präpariert wurde. Marley’s Manager, Don Taylor, hat in seiner Biographie, zehn Jahre nach dem Anschlag in Marley’s Haus, die Beschuldigung erhoben, ein „führender CIA-Agent“ sei in die Planung der Anschläge involviert." (Quellen: Die Bücher von Timothy White u. Alex Constantine.)"


aus wikipedia





anarchitect auf flickr

Bob Marley wäre heute 62 Jahre alt geworden....



Es gibt ja Musikinstrumente, die sind nur schwer zu ertragen. Nicht weil der Klang des Instrumentes so furchtbar ist (diese gibt es auch), sondern weil sie eine Musikrichtung repräsentieren, die einem völlig fremd ist. Der Klang einer Mundharmonika erzeugt mir beispielsweise Schmerzen, weil ich mich an olle Blueskamellen erinnert fühle, die schon immer meine Zehennägel aufrollen ließen.

Oder das Banjo, welches ich mit schmissigen Western und Countryweisen verbinde. Diese Art von "Musik" mag als ideale Hintergrundberieselung im Fegefeuer geeignet sein - im Hier und Jetzt gehört sie verbannt!

Doch das Banjo hat in meinen Ohren wieder schmerzfreien Zugang. Dies verdanke ich der wunderschönen CD Forever polida von Moussu T et lei Jovents.
Der Gitarrist Blu erzeugt mit seinem sparsamen Einsatz von Banjo, akustischer und elektrischer Gitarre eine mal heitere, mal melancholische, aber immer relaxte Stimmung. Diese wird verstärkt durch die rauchige Stimme von Tatou, der mal auf okzitanisch, mal auf französisch in seinen Liedern über den Alltag in Marseille berichtet. Beide kommen von der Ragga-Band Massilia Sound System, die seit über 20 Jahren nicht nur den Süden Frankreichs unsicher macht. Unterstützt werden sie von dem brasilianischen Perkussionisten Jamilson und Zerbino am Schlagzeug.

Musikalisch ist das eine Mischung aus Südstaaten-Blues, karibischer Gelassenheit und französischem savoir-vivre. Man fühlt sich in einem Marseille, welches so gar nichts gemeinsam hat mit dem Bild, welches z.B. Jean Claude Izzo in seinen "Fabio Montale" Krimis zeichnet.
Statt dreckigem verarmtem Großstadt-Dschungel sehen wir Bilder von gestreiften Sonnenschirmen und Badeanzügen, von Männern mit Zigarren und Schnurrbärten, von Boule und Pastis.....

Eine Platte, die zum Besten gehört, was ich in den vergangenen Monaten gehört habe....



Montag, 5. Februar 2007
¶ Beirut
"Condon klingt auf der Platte nicht nach 20 jungen Jahren und Santa Fe im Rücken, sondern eher wie eine niemals endende Irrfahrt auf dem Schwarzen Meer - viele ausgiebige und die Stimme gerbende Trinkgelage in Odessa oder Sewastopol inklusive."


Spiegel online über Gulag Orkestar von Zach Condon und seinem Projekt Beirut



und hier 10 Alben, die mich durch den Januar gebracht haben: (zufällige Reihenfolge)

1. Almasala - Eolh
2. Moussu T et lei Jovents - Forever polida
3. V.A. - Shtetl Superstars
4. La Troba Kung-Fu - Clavell Morenet
5. La Maximum Kouette - Et Alors
6. Beirut - Gulag Orkestar
7. Markku Peltola - Tarkistaa Lännen Ja Idän
8. Seed - Live
9. Ashes - Unisono
10. Bandabardo - Fuori orario





svenwerk auf flickr



Was mir noch aufgefallen ist:

- mit Vajas aus Norwegen, Afenginn aus Dänemark und Zilversurf aus Schweden befinden sich drei nordeuropäische Interpreten in den Top 20

- Electric Gypsyland 2 hält sich jetzt schon im vierten Monat in den Charts. Etwas unverständlich für mich - so toll finde ich die Platte nicht. Meines Erachtens gibt es bessere Gypsy-Compilations wie Shantels Bucovina Club 2 oder die Balkanbeats 2

Der Maghreb scheint eine musikalische Wiederauferstehung zu feiern - neben Platz 1 für Akli D kann sich auch Altmeister Rachid Taha mir seiner Hommage an alte Algerien-Hits (Diwan 2) und die in der Schweiz beheimatete algerische TripHop Band Maghrebika in den Top 7 platzieren.

Allgemein kommen ja zum Jahresanfang nur wenige Neuerscheinungen auf den Markt. Von daher ist die Aussagekraft der ersten Charts im Jahr eher geringer Natur.Warten wir den März ab...



Sonntag, 4. Februar 2007
¶ Lupe
vorgestern abend im KAW in Leverkusen-Opladen

- der Konsum von Wodka kann am nächsten Tag zu schweren Beeinträchtigungen führen (daher gab es gestern auch keinen Eintrag in diesem Blog)

- das Konzert mit der Band Lupe begann wieder mit einiger Verspätung, weil mal wieder viele Leute erst nach 21 Uhr im KAW auftauchten.

-die Band trat mit einem Ersatzbassisten an, der eigentlich gar kein Bass spielt und vorher in einem 2-Stunden Crash-Kurs eingewiesen wurde..

- die Sängerin ist mit Ihren stimmlichen Fähigkeiten und ihrer Ausstrahlung ein echtes Juwel, der Gitarrist und Flötist passt sich sehr gut an und erzeugt insbesondere mit der Saxonette einen "typischen" Osteuropa-Sound .....

- nicht nur ich habe den Einsatz des Perkussionisten als störend empfunden. Sein extremes extrovertiertes Verhalten lenkt von dem eigentlichen Mittelpunkt der Band (Sängerin) ab und seine Trommlerei wird oft den filigranen Rhythmen nicht gerecht. Ich hab den Perkussionisten vorher mal bei einer AC/DC Unplugged-Coverband gesehen, da gefiel mir seine Art zu Trommeln sehr gut. Umso größer dann die Enttäuschung....

- insgesamt kann die Band, die erst ca. 4 Monate existiert, noch für viele gute Kritiken sorgen, wenn sie ihr Repertoire erweitert und auf Mätzchen verzichtet. Ich werde die weitere Entwicklung verfolgen und hoffe, die Band in zwei, drei Jahren noch einmal zu sehen.....

- die anschließende Party plätscherte ein wenig vor sich hin, es kam irgendwie nicht so richtig Schwung rein und es wurde schon relativ früh ziemlich leer..

- in einem Monat gibt es die nächste SHAKARA Party, dann mit der Mestizo-Band "La Papa Verde", die ja schon quasi zum Bestand der Party gehören......



"Also mal unter uns: Als ich das erste Mal den Namen Sebastian Sturm gelesen habe, habe ich mich gefragt, wie es jemand aus dem Moik-Stadel geschafft hat in für mich relevante Medien unterzukommen."

Nicht nur hiphop.de wundert sich über den für einen Reggae-Künstler ungewöhnlichen Namen.