Sonntag, 5. Juli 2009
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die schlechte zuerst: Go Lem System haben sich aufgelöst.
Als ich das erfahren habe, war ich schon recht bestürzt und etwas traurig, gehörten Go Lem System doch für mich zu den musikalisch ansprechendsten Bands aus dem Mestizo-Schmelztiegel Barcelona. Ihre Musik, die im übrigen auf ein Schlagzeug verzichtet hat und nur mit Rhythmuscomputer (auch live) zustande kam, war in meinen Augen Ohren immer eine äußerst gelungene Mischung verschiedener Einflüsse zu einem stimmigen neuen Sound - gewissermaßen Mestizo at his Best. Warum die Band, die sich übrigens schon in Argentinien gegründet hatte, jetzt nur noch Geschichte ist (und angesichts ihres doch recht geringen Bekanntheitsgrades auch nur eine kleine Randnotiz in der Musikhistorie), entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich das Übliche.....

Jetzt die gute Nachricht: Es gibt jetzt Planeta Lem.
Die Band, die aus mehreren Mitgliedern des alten Go Lem System besteht, führt den musikalischen Stil ihres "Vorgängers" so konsequent weiter, dass man sich fragt, warum diese Umbenennung denn jetzt unbedingt nötig war. Dem Hörer von "Abre la Boca", so heißt das "Debut" der Band, übernimmt wirklich alle charakteristischen Merkmale des Go Lem Systems - die treibende Drum-Linie (die aber hier von einem menschlichen Drummer eingespielt wird), die akzentuierte Gitarre und die Stimme des alten und neuen Sängers Aleko Capilouto. Nur ganz selten verändert sich der Sound ein wenig, wenn z.B. wie im Song "Creo en ella" die Gitarre Auslauf bekommt und dies reichlich ausnutzt, aber spätestens beim nächsten Song ist alles wie gewohnt.
Ich hatte die Platte nach ein- oder zweimaligen Anhören erst mal wieder weggelegt und dann nach einigen Wochen wieder rausgekramt - und mich dann beim Hören ständig gefragt, ob das gerade laufende Lied nicht schon auf einer älteren Platte zu hören war. War es nicht, aber die Songs von Planeta Lem und Golem System klingen schon ziemlich gleich.

Normalerweise müsste ich etwas enttäuscht sein, nur einen Klon unter einem neuen Namen zu hören. Aber da Go Lem System schon immer zu meinen Lieblingsbands gehörten, kann ich dem alten Wein in neuen Schläuchen durchaus auch etwas positives abgewinnen. Und so gehören Go Lem System oder Planeta Lem zu den wenigen Bands, die sich nach meiner Meinung nicht unbedingt weiterentwickeln müssen. Wenn sie alle paar Jahre eine Platte mit neuen Songs unter welchem Namen auch immer herausbringen, bin ich zufrieden.....

Planeta Lem auf myspace
Foto: interprete_desconocido für flickr