Sonntag, 1. März 2009
Bin ich froh, dieses Stöckchen endlich verarbeitet zu haben.......

Anfangs sah alles ganz einfach aus - die 15 Platten waren schnell gefunden und die ersten Zeilen formuliert - da fiel mir plötzlich zu meinem Entsetzen auf, dass ich Ursache und Wirkung verwechselt hatte. Statt 15 Platten, die mein Leben veränderten, hatte ich 15 Platten gefunden, die da waren, als sich mein Leben veränderte. Das wäre zweifelsohne auch ein schönes Thema für eine vergnügliche Blogreise, aber eben nicht Thema dieses Stöckchens!

Also habe ich die Liste wieder gestrichen und eine neue aufgestellt - und dann fingen die Schwierigkeiten an. Zwar gibt es 6 oder 7 Platten, die für mich so bedeutend sind, dass sie unbedingt auf diese Liste gehören. Für die restlichen 8 Plätze gibt es aber dann mindestens 20 Kandidaten, die in meiner internen Rangliste etwa gleichwertig sind, so dass ich mich schwer schwer getan habe, aus diesem Pool noch einmal 13 Platten auszusortieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich leider keinen Zugang mehr zu meiner LP-Sammlung mehr habe und die "ersten" Musikjahre mühsam aus dem Gedächtnis kramen musste. Es kann also gut sein, dass mir in den nächsten Tagen irgendwann siedend heiß eine bestimmte Platte einfällt, die eigentlich unbedingt auf diese Liste gehört hätte.......

Aber genug gejammert - fangen wir an:

1. Electric Light Orchestra (ELO) - Out of the blue

Meine erste selbstgekaufte Platte. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Tatsache, dass es sich bei "Out of the blue" um ein Doppelalbum handelt, ein wichtiges bzw. das ausschlaggebende Argument für den Kauf gerade dieser Platte gewesen ist. Ich habe die Platte lange geliebt und immer wieder gehört, auch als ich mich dann ganz anderen musikalischen Richtungen zugehörig fühlte. Und obwohl ich heute das Konzept der Band, Rockmusik mit klassischen Instrumenten zu unterlegen, für ziemlich bescheuert halte, funktioniert ihre Musik bei mir erstaunlicherweise immer noch. Ich hoffe, dass liegt an den sentimentalen Erinnerungen - oder sollte sich mein Musikgeschmack in Richtung Back to the Roots wandeln?....



2. Eloy - Ocean

Die Platte steht exemplarisch für eine ganze Reihe von LPs, die ich damals hörte. Wobei LP schon falsch ist - denn wir hörten die Musik auf selbst kopierten Musikkassetten, die ein Freund von seinem 6 oder 7 Jahre älteren Bruder aufgenommen bekam - die LP Cover habe ich nie zu sehen bekommen. Die MCs waren von TDK und wir kauften sie im 10-er Pack in kleinen Hifiläden, denn dort konnte man die praktischen Verpackungskartons (die ziemlich stabil waren) umsonst dazu bekommen. Wir kopierten unsere Kassetten von Kassetten, die irgend jemand von irgendwelchen anderen Kassetten kopiert hatte. Das Urheberrecht interessiert niemanden, nicht einmal die Plattenindustrie selber. Gute alte Zeit....

Zurück zu Eloy: Das war eine ganz neue musikalische Welt für uns - Musik, die man nicht im Radio hören konnte und die sich von den Charts bei Mal Sandocks "Diskothek im WDR" doch deutlich absetzte. Wir hörten Hawkwind, Pink Floyd, Klaus Schultze, Genesis, Grobschnitt - alles Zeugs mit gewissem elektronischen Einschlag - nicht, weil wir das gut fanden, sondern weil der große Bruder das gut fand und er lange Zeit die einzige Quelle war, die wir anzapfen konnten. Und weil der Bruder überhaupt nicht auf Beat und Rock stand, waren mir Bands wie die Stones oder The Who eher unbekannt und sagten mir musikalisch gar nichts....



3. Lene Lovich - Stateless

Mit dieser Platte habe ich mich von dem übergroßen musikalischen Einfluss meines Freundes (und seines "großen Bruders") emanzipiert. Ich weiß noch genau, wie ich ihm begeistert die Platte vorgespielt habe und er sich entsetzt und verständnislos abgedreht hat. Für mich war das neu und spannend - nicht diese 20 Minuten Songs mit ewig langen und exorbitant verspielten Soli, sondern ein kurzes und knackiges auf-den-Punkt-bringen in maximal 3 Minuten. Von da an waren die vergangenen musikalischen Erfahrungen "Jugendsünden" und landeten in den hinteren Ecken meiner Musiksammlung.



4. The Undertones - The Undertones

Ich glaube, dass ich diese Platte nie besessen habe. Und doch gehören The Undertones unbedingt auf diese Liste. Denn die Band steht für die zahlreichen Rockpalast-Nächte, die ich damals am Radio und Frenseher verfolgt und live auf Cassette mitgeschnitten habe. Auch wenn die Bandauswahl nicht immer hundertprozentig gelungen war, gab es immer wieder unerwartete Highlights wie The Blues Band, The Police, Little Steven oder Joe Jackson. Und natürlich The Undertones, die einfach ein geniales Konzert hinlegten. Schnörkellose harte Gitarren (war das schon Punk?) und diese eindringliche Stimme von Feargal Sharkey ergaben etwas ganz Neues und ungemein Aufregendes. Ich hörte die Kassette, bis sie in Fetzen flog (was leider viel zu schnell passierte) . Leider hatte die Platte von den Undertones, die ich mir dann irgendwann kaufte, nur wenig von dieser explodierenden Live-Ekstase im Rockpalast.
Jahre später las ich, dass der BBC-Musikguru John Peel den Song „Teenage Kicks“ von den Undertones als sein persönlichstes Lieblingslied bezeichnete und besorgte mir eine Best-of Zusammenstellung der Band. Und dieses Mal konnte ich wieder nachvollziehen, warum The Undertones einfach eine klasse Band waren, die extrem gute Musik gemacht haben - ich hatte wohl damals nur die falsche Platte erwischt....




5. BAP - Affjetaut

Wenn man zu Beginn der achtziger Jahre in Köln (bzw. im Umland) gewohnt hat und sich für Musik interessierte, kam man irgendwann an BAP nicht mehr vorbei. Gradmesser für die eigene musikalische Kompetenz war der Zeitpunkt des Entdeckens der Band und des Sich-Abwendens aufgrund mangelhafter musikalischer Qualitäten. Um wirklich anerkannt zu sein, musste man das erste Album "BAP rockt andere kölsche Leeder" besitzen und erkannt haben, dass die Band spätestens bei "Vun drinne noh drusse" - besser noch auf "Für Usszeschnigge" - sich musikalisch schon verbraucht hatte, zu kommerziell wurde und nicht mehr authentisch war.....

Ich habe der Band etwas länger die Treue gehalten, aber irgendwann ging mir die "ich bin der kölsche Bob Dylan"-Tour von Wolfgang Niedecken ziemlich auf den Senkel - und auch musikalisch hatten wir uns dann auseinander gelebt.

Was BAP für mich damals auszeichnete, waren die deutschen(?) Texte. Ich habe mir nie die Mühe gemacht, irgendwelche englischen Texte ins Deutsche zu übersetzen und es immer akzeptiert, dass ich die Botschaften vieler Lieder nicht verstehe. Mit BAP eröffnete sich mir plötzlich die Möglichkeit, Songs auch textlich zu verstehen - und das was BAP da sangen, unterschied sich oft wohltuend von den Herz-Schmerz-Abhandlungen der deutschen Schlagerfuzzies.

Und live waren BAP damals der absolute Kracher. Das erste Mal habe ich sie im Leverkusener Forum (einer absoluten Horrorspielstätte) im Rahmen einer DGB-Jugendtagung gesehen - und war danach dermaßen angefixt und begeistert, dass ich Tage und Wochen danach nur noch BAP gehört habe. Damals war BAP noch keine große Nummer im Showgeschäft und für die meisten Besucher war es das kulturelle Beiprogramm ihrer Tagung, aber was die Band da gespielt hat, war vom Allerfeinsten. Höhepunkt (daran erinnere ich mich noch genau) war eine irre lange Coverversion von Smokies "Living next door to Alice" mit Klaus Heuser, der aus Leverkusen kam und gerade bei BAP eingestiegen war.



6. Fehlfarben - Monarchie und Alltag

Klar, dass auch mich die Neue Deutsche Welle damals nachhaltig beeinflusst hat. Aber es waren weniger die klassischen "Ich will Spass" - NDW-Bands, sondern eher die Gruppen, die eine gewisse Aggressivität und Wut in ihre Musik steckten. Fehlfarben, Ideal und Trio hießen die Interpreten, die damals den Soundtrack meines Lebens schrieben. Später dann auch Deutschpunkbands wie Daily Terror oder Slime, die das aussprachen, was ich dachte. Ich war gefangen in einer unglücklich machenden Lehre, sah mein Leben nutzlos vorüberziehen und hatte nicht den Mut, aus diesem unglückseligen Kreis auszubrechen. So konnte ich wenigstens musikalisch vom Ausbruch träumen.......




7. Talking Heads - Stop making sense

Eigentlich war Stop making sense keine Platte, die man gut finden konnte. Sänger und Band sahen mit Popperfrisur und Anzügen scheisse aus und diese nur auf Tanzfläche gemachte Musik musste abgelehnt werden. Aber da war etwas in der Musik, dem man sich nicht entziehen konnte und das einen mitriss - da war es dann auch egal, dass die Platte ein kommerzieller Erfolg wurde und man doch wusste, dass Qualität und kommerzieller Erfolg sich ausschließen....


8. Specials - Specials

Ich weiß nicht mehr, wann ich diese Platte gekauft habe und ich kann auch nicht behaupten, dass die Platte damals einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht hat. Denn in meiner damals schon recht umfangreichen Plattensammlung gab es nur diese eine Platte von den Specials und auch nur ganz wenige andere Skaplatten. Und doch hat mich diese Platte immer wieder begleitet - sie ist eine der wenigen Produktionen, die den Wechsel von LP zu CD überstanden haben und heute immer noch von mir gehört werden. Was wahrscheinlich daran liegt, dass Titel wie "Monkey Man", "Enjoy yourself" oder "Gangsters" einfach ziemlich gute Songs sind.....

(In der Vorauswahl zu dieser Liste gehörte lange Zeit die CD "Reggae greats" von Linton Kwesi Johnson - zu der ich genau denselben Text hätte schreiben können - wenn auch mit anderen Titelbeispielen....)




9. Dissidenten - Sahara Elektrik

Die Platte spiegelt meinen ersten Kontakt mit Weltmusik wieder. Leider (das Alter!) kann ich mich nicht mehr erinnern, durch welche Platte ich die Musikrichtung für mich entdeckte - aber wahrscheinlich war es eine Platte von den Dissidenten. So kam es, dass ich anfangs ausschließlich von nordafrikanisch geprägter Musik fasziniert war - neben den Dissidenten hatte ich auch Carte de Sejour für mich entdeckt, die damals gemeinsam mit den Dissidenten im Rahmen einer Antirassismus-Kampagne durch Deutschland tourten. Bei denen hieß der Frontmann Rachid Taha und der war schon damals eine häufig mit Drogen und Alkohol vollgepumpte geniale Diva.....

Später habe ich dann beim Buch- und Plattenladen "zweitausendeins" in einer seiner Ramschaktionen auch zwei Pakete mit Weltmusikplatten aus anderen Gegenden erstanden und die Platten rauf- und runtergehört. Das war Musik, die einfach und kompliziert zugleich war und sich von dem, was ich sonst so hörte, komplett unterschied. Im Nachhinein betrachtet war da auch verdammt viel Mist dabei - aber der Virus war eingedrungen und wartete nur darauf, endgültig auszubrechen.....




10. Massive Attack - Protection

Eigentlich kann man die Platte alleine nicht stehen lassen - Trickys "Maxinquaye" und "Dummy" von Portishead waren mindestens in gleicher Weise dafür verantwortlich, dass ich meine erste "Weltmusikphase" abschloss und mich wieder der anglo-amerikanischen Popmusik zuwendete. Doch für diesen musikalischen Wechsel hatten die Trip-Hop Pioniere einige gute Argumente.

Leider gab es in der Folgezeit viele Nachahmer, die ziemlich gehypt wurden, aber oftmals nur über eine bescheidene musikalische Qualität verfügten. Auch ging mir dieses ewig Düstere (gerade bei Tricky musste man ja aufpassen, dass man sich nicht nach dem "Genuss" seiner Platten eine Kugel in den Kopf jagte) dann irgendwann gehörig auf die Nerven, so dass ich mich nach einigen kurzen Ausflügen in andere Musikrichtungen wieder reumütig zum Worldbeat zurückkehrte.



11. 99 Posse - Curre curre guaglio

Der einzige Cassettenkauf im meinem Leben. Ich weiß nicht mehr, wo ich die Cassette gekauft habe und wie ich 99 Posse für mich entdeckt habe - ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich die Cassette in irgendeinem Schaufenster eines Provinzlädchens irgendwo in Italien entdeckt hatte und unbedingt haben wollte. Die Platte gab es dort nicht als LP und einen CD-Player hatte ich noch nicht (und wollte damals auch nie einen haben) - also blieb nur der Kauf der schon damals anachronistischen MC.

Wahrscheinlich hätte Platte und Band gar keinen so großen Einfluss auf mein Leben gehabt, wäre da nicht der Titelsong. Dieser minimalistische Raggabeat ohne große Schnörkel haute mich sprichwörtlich aus den Schuhen und wäre auch auch heute noch in meiner Liste der 10 besten Songs zu finden.



12. Almamegretta - Sanacore

Als 1Live noch WDR 1 hieß, war das mein Lieblingssender. Gerade in den frühen Abendstunden lief dort Musik, mit der man sich auseinandersetzen musste. Nicht so ein Dudelfunk wie heute, der angenehm im Hintergrund plätschern soll und die Ohren mit den immer wieder gleichen "Evergreens" verstopft. Stattdessen gab es eine Musikauswahl, die immer zwischen genial und grottig wechselte - man rannte ständig zum Radio, um es entweder laut aufzudrehen oder ganz leise zu stellen, damit man gerade so eben mitbekam, wann der Schrottsong endlich wieder von einem Knaller angelöst wird. Unter anderem gab es auch immer wieder irgendwelche halbstündige Specials zu bestimmten Themen. Und in einem dieser Specials über die italienische Rockszene wurde die neapolitanische Band "Almamegretta" vorgestellt und zwei Titel gespielt - das Massive Attack - Cover "Karmakoma" und "Figli di Annibale". Bei mir machte es 'peng' und ich wusste sofort, dass dies der Beginn einer wunderbaren Musikliebe werden würde. Doch wie im richtigen Leben mussten vorher einige Hürden überwunden werden. Denn "Internet-Download" war eine Zukunftsspinnerei und an Importplatten zu kommen, war fast unmöglich. Selbst ein Italienurlaub brachte keinen Erfolg, sämtliche Plattenläden auf Ischia, die ich finden konnte, kannten zwar die Band, hatten aber leider im Moment kein Album da ....

Doch irgendwann hatte ich den Plattenhändler meines Vertrauens so lange bequatscht, dass er sich von damaligen Label einige Platten zuschicken ließ - und ich endlich an meine erste Almamegretta CD kam. Die beiden o.g. Titel fehlten zwar auf der CD, aber diese Mischung aus Trip-Hop und neapolitanischer Folklore schien wie für mich geschaffen zu sein....


13. Manu Chao - Clandestino

Klar, dass diese Platte nicht fehlen darf. Wer wissen will warum, sollte sich meine gesammelten Blogeinträge von vorne bis hinten durchlesen......


14. Noir desir - Des Visages des Figures

Ähnlich wie bei 99 Posse ist es weniger die CD selber als vielmehr ein Lied aus der CD, welches mich schier umgehauen hat. Le vent nous portera gehört zu dem Besten, was Musiker zustande gebracht haben - eine eindringliche, aber einfache Melodie, die aber dennoch auch beim 400. Hören noch seinen Reiz entfacht. Und wenn ich heute noch einmal irgendwo Musik auflege, dann kommen immer bei diesem Lied irgendwelche Leute und wollen unbedingt wissen, was das denn für ein "geiles Teil" sei, was da eben zu hören war. Diese relaxte Melancholie, die dieser Song erzeugt, ist einmalig und wunderschön - vielleicht sogar der schönste Popsong ever......

Der Rest der Platte ist gut hörbar, aber ganz anders als dieser Song und wäre ohne „Le vent nous portera“ niemals auf diese Liste gekommen......



15. Werle und Stankowski – Your show

Zum Abschluss noch eine Platte von einer Band, die ich immer mal hier in diesen Blog einschmuggeln wollte, was sich aber aufgrund des doch sehr exotischen Musikstils nie ergeben hat. Das erste Mal sah ich Werle & Stankowski bei einem Festival in Köln, auf dem verschiedene Bands ihre eigenen Versionen zu alten Liedern der Edelweißpiraten präsentierten. "Von den Beatles inspirierter Singer/Songwriter trifft auf elektronischen Sound-Tüftler"- so oder so ähnlich lautete damals die Ankündigung des Moderators und löste in mir den Impuls aus, sofort nach meiner Jacke zu greifen und den nächstgelegensten Ausgang zu suchen. Doch der Ausgang war weit und der Saal voll und so scheiterte die überstürzte Flucht. Glücklicherweise, denn das, was da mein Ohr drang, entsprach zwar der Beschreibung des Moderators, war aber gar nicht so furchtbar - ganz im Gegenteil. Und so wurde ich zum heimlichen Fan des Duos mit dem ungewöhnlichen Sound. Heimlich deshalb, weil ich auch noch nicht die richtigen Worte gefunden habe (und es daher lieber bleiben lasse), die Musik von Werle und Stankowski beschreiben zu wollen.......




Sonntag, 29. Juni 2008
Leider sind ja die großen Zeiten der deutschen Fussballnationalmannschaften spätestens seit 1994 vorbei. OK - fussballerisch konnten sie auch in den Folgejahren noch den einen oder anderen Erfolg verzeichnen. Aber musikalisch ist es seit der WM in den USA leider still geworden um die deutschen Vorzeigesänger. Höchste Zeit, die deutschen WM-Songs hier noch einmal vorzustellen.

Platz 8 "Wir sind schon auf dem Brenner"

Udo Jürgens mit seinem zweiten Versuch, mit Hilfe der Nationalmannschaft gute Verkaufszahlen zu erzielen. 1990 ging es nach Italien - und Udo und seine Freunde versuchten. Leider habe ich kein Video oder ähnliches im Netz gefunden, so dass dieser Titel mangels Töne den undankbaren letzten Platz belegen muss. Eigentlich hätten Verse wie "Wir sind schon auf dem Brenner, wir brennen schon darauf, wir sind schon auf dem Brenner, ja, da kommt Freude auf!" eine bessere Platzierung verdient gehabt. Die dazu gehörende Langspielplatte enthielt darüber hinaus wunderschöne Titel wie "Trainer lügen nicht", " Die Angst des Schützen vor'm Elfmeter" und " Der Teufel hat den Straps gemacht".

Platz 7 "Ole Espana"

link

Michael Schanze durfte 1982 den WM Song mit den Jungs um Jupp Derwall singen - und sein Ole Espana geht als das wahrscheinlich nichtssagendeste Lied in die WM-Song-Geschichte ein. Es ist nicht richtig schlecht wie Peter Alexander, aber um irgendwelche positiven Attribute für dieses Lied zu finden, müsste ich schon lange nachdenken und suchen - Ok es dauert nur 3 Minuten.....


Platz 6 "Running with a dream"



Wenn man es genau nehmen will, gehört der Song gar nicht richtig zu den offiziellen Nationalmannschafts-WM-Songs - denn von Bertis Buben ist weit und breit nichts zu sehen und glücklicherweise zu hören. Leider macht das den Song in keinster Weise besser. Der Trainer Hans Hubert Vogts soll es auch gewesen sein, der dem DFB vorschlug, auf den bis dahin obligatorischen schiefen Chorgesang zu verzichten und stattdessen fußballfremde Solisten mit dem Gesang zu betrauen. Warum es aber dann Anna-Maria Kaufmann und Joey Tempest (Europe) sein mussten, erklärt sich wahrscheinlich nur durch die schwere Kindheit des Ex-Bundestrainer in der niederrheinischen Tiefebene. Frau Kaufmann und Herr Tempest hätten im Sommer 98 viele schöne Dinge machen können, aber sie mussten ja unbedingt auf das sinkende Schiff steigen, um von den Marketingmöglichkeiten einer positiven WM zu profitieren. Aber das Schicksal spielte unseren beiden Sängern einen üblen Streich - die kroatische Nationalmannschaft und hirnrissige deutsche Hooligans sorgten für schlechte Stimmung und schleppende Verkaufszahlen der Platte.

Platz 5 "Buenos Dias Argentina"



Musikalisch ist das schon ziemlich harter Tobak, den uns Udo Jürgens hier auftischt. Qualifiziert für diesen Job hat sich Herr Jürgens höchstwahrscheinlich mit dem Lied " Der Mann mit der Mütze" anlässlich des Abschieds von Altbundeskanzlertrainer Helmut Schön - und da man die Spieler nicht immer alleine singen lassen kann, wurde diesmal ein prominenter Star mit ins Rennen geschickt. So schlecht das Lied auch ist, es wurde der größte kommerzielle Erfolg aller WM-Platten und ist mir (neben Platz 1) auch vorher geläufig gewesen. Alle anderen Titel hatte ich zwischenzeitlich verdrängen und vergessen können.......

Platz 4 "Ja, der Fußball ist rund wie die Welt"



Ja, auch die DDR hatte ihren WM-Song. 1974 waren sie ja bekanntlicherweise ebenfalls für die WM qualifiziert (ich sag nur Sparwasser) - und so bekamen auch unsere Brüder im Osten (damals war Fussball noch reine Männersache) ihre eigen Hymne. Beachtlich der deutliche Einsatz der harten E-Gitarre und des hymnischen Textes mit angedeuteter Stadionatmosphäre, so dass der Song eigentlich eine bessere Platzierung verdient hätte. Aber leider bestand die einzige Aufgabe der DDR-Nationalmannschaft, sich für ein Photo des Cover mit dem Interpreten Frank Schöbel ablichten zu lassen - und das gibt leider Abzüge in der Gesamtnote.......

Das Video zur Single ist leider nicht original und mit der Ablichtung der (west-)deutschen Mannschaft auch falsch und blöde - aber mangels Alternative nicht zu ändern.

Platz 3 "Mexico, mi amor"



Das Video ist zwar von einer ziemlich beschissenen Qualität, hat aber was. Peter Alexander bewegt sich wie ein jovialer und gütiger Herbergsvater durch die Reihen seiner weiß besockten Jungs - wunderbar die beiden Spieler an den Instrumenten (der Trompeter müßte Toni Shumacher sein, den Gitarristen erkenn ich leider nicht). Über das Lied sag ich lieber nichts.....

Platz 2 "Far away in America"



Nach dem 1990er "Geniestreich" von Udo Jürgens dämmerte es den Verantwortlichen beim DFB, dass die große Zeit des deutschen Schlagers wohl (zunächst) vorüber sei und wagte das Experiment, mit einer internationalen Pop-Band die offizielle Hymne einzuspielen. Bis heute ist es mir aber völlig rätselhaft, warum die ausgesuchte Pop-Band "Village People" war - ausgerechnet eine Band, von der (fast) jeder wusste, das sämtliche Mitglieder schwul waren. Nichts gegen schwule Sänger, aber der DFB war damals in keinster Weise willens, ein Zeichen gegen Homophobie im Fussball zu setzen. Das scheint damals wie heute bitter nötig (siehe nur die dämlichen Ergüsse eine Christoph Daum) - aber 1994 hatte man "andere Probleme". Ich vermute bis heute, dass die DFB-Bosse einfach keine Ahnung von der erotischen Ausrichtung ihrer Vorzeigesänger hatten und das es womöglich die Titanic war, die die Band beim DFB ins Gespräch brachte. Als das "Kind dann in den Brunnen gefallen war", war es für Rückzieher eh zu spät und man machte gute Miene zum Spiel......

Musikalisch gibt der Song dagegen gar nichts her - das "Mitgehen" der Spieler beim Video ist aber teilweise ganz großes Kino!


Platz 1 "Fussball ist unser Leben"



Der erste Versuch, die deutschen Nationalmannschaft als Gesangstars zu etablieren, brachte auch mit Abstand das beste Ergebnis - kein Schlagerfuzzi, der sich jovial in den Vordergrund schiebt, kein verquaster Text - mit diesem Rezept sicherte man sich einen Platz auch im Schlagerhimmel. Ein ehemaliger Fussballer war es, der vom DFB mit der Aufgabe betraut wurde, einen offiziellen WM-Song zu produzieren. Jack White spielte unter dem Namen Horst Nußbaum unter anderem bei Victoria Köln und wurde mit dem PSV Eindhoven niederländischer Vizemeister. 1974 hatte er sich aber schon als Produzent einen Namen gemacht - und seine Arbeit mit der Nationalmannschaft ist durchaus gelungen, zumindest wenn man sich die Ergebnisse seiner Nachfolger ansieht. Auch wenn ihm textlich irgendwann die Ideen ausgegangen zu sein scheinen und er auf minutenlange "Lalalalalalalalalal"-Gesänge und Wiederholungen zurückgreift.

Dennoch die klare Nummer 1!

...und jetzt geben wir ab nach Wien.



Freitag, 23. Mai 2008
Irgendwie habe ich die Vorstellung des letzten Teils der Eurovision Song Contests verpasst. Nachdem ich mich hier durch 37 Lieder gequält hatte, fehlte plötzlich jeder Mut, mir die letzten 6 Songs auch noch anzuhören. Dann hatte der NDR seine Homepage aktualisiert und ich hätte mühevoll die einzelnen Interpreten suchen müssen. Das war mir aber immer zu viel Arbeit.

Gestern habe ich mich aber dann noch einmal zusammengerissen und schließe hiermit das Kapitel Grand Prix ab.
(Die ersten Teile befinden sich hier, hier, hier und hier)

38. Belgien:
Ishtar - O julissi na jalini
Ich hab nicht raushören können, in welcher Sprache das Lied gesungen wird (inzwischen weiß ich, es handelt sich um eine Phantasiesprache), aber mit seiner leichten klassischen Instrumentierung klingt es wie eine osteuropäische Vertonung zu Shakespeares Sommernachtstraum. Der Song hat was!

39. Weißrussland:
Ruslan Alehno - Hasta la Vista
Der Mann singt schief, hat eine Ausstrahlung wie ein weichgespülter nasser Waschlappen und ist eine Zumutung für den normalen Gebührenzahler. Doch wahrscheinlich zahlt in Weißrussland niemand irgendwelche Fernsehgebühren und kann sich daher auch schlecht beschweren, wenn eine solche musikalische Nullnmmer das Land musikalisch vertreten soll. Vielleicht hätte Ruslan Alehno sein Land besser bei den olympischen Spielen in irgendeiner Sportart vertreten sollen. Chancen auf den Sieg hätte er dort auch keine, er hätte uns aber das Anhören seiner stimmlichen Quälität erspart.

40. Aserbaidschan:
Elnur Huseynov + Samir Javadzadeh - Day after Day
Eine wahnsinnig aufgeplusterte Musicalshow mit Engel und Teufel präsentiert uns Asebaidschan - obwohl es sich von den billigen Eurodancenummern angenehm abhebt, ist es dennoch weit entfernt von einer positiven Beurteilung meinerseits. Andererseits bin ich müde von dem ganzen Schund, den man hier zu hören bekommt und will daher nicht zu kritisch werden - aber Mist bleibt Mist, auch wenn er durch eine optisch ansprechende Show begleitet wird...

41. Armenien:
Sirusho - Qele qele
Schon wieder so ein Diskokracher - dieses Mal aber mit folkloristischen Einsprengseln - was die Sache zwar individueller, aber keineswegs besser macht......

42. Andorra:
Gisela Lladó Canóvas - Casanova
Furchtbares Discostück ohne jeglichen Charme und irgendeiner individuellen Note - zumindest nicht in der ersten Minute - länger habe ich nicht durchgehalten..

43. Albanien:
Olta Boka - Zemren e Lame peng
Schwermütige und völlig uberzuckerte Ballade - da schluchzen die Geigen und die Mütter - und ich, weil ich einfach nicht verstehen will, wie man sich mit einem solchen Stück in den Pophimmel schießen kann.

Fazit. Nie wieder!!!!!



Montag, 31. März 2008
Teil 2 meines Selbstversuches mit den Beiträgen des diesjährigen Sond Contests der Eurovision

11. Romania
Nico & Vlad - Pe-o Margine De Lume
Weißes Klavier am Strand - ich weiß was auf mich zukommen wird - nächster Beitrag....

12.Portugal
Vânia Fernandes - Senhora Do Mar (Negras Águas)
Typische Eurovisionsballade mit viel Pathos und eingängigem Refrain - vorgetragen von einer Sängerin, die dermaßen böse in die Kamera guckt, dass man ahnt, warum dieses Lied Portugals Beitrag geworden ist. Das Publikum hat aus Angst gewählt.........

13. Poland
Isis Gee - For Life
Boooh, ist das langweilig - ein Sarah-Connor-Verschnitt der übelsten Sorte. Dann doch lieber eine Werbepause.......

14. Norway
Maria - Hold On Be Strong
Boooh, ist das langweilig - ein Sarah-Connor-Verschnitt der übelsten Sorte. Dann doch lieber eine Werbepause.......

15. Netherlands
Hind - Your Heart Belongs To Me
Es ist schon merkwürdig. Länder mit einer unverkennbaren traditionellen Musikgeschichte vermeiden jeden lokalen Bezug und produzieren europäischen Alltagssound. Und die Länder, die keine allgemein bekannte musikalische Tradition haben, versuchen mittels folkloristischer Spielerein einen eigenen Sound zu erzeugen. Hollands Beitrag nutzt orientalische Einflüsse, um ihre blasse Popnummer etwas aufzupolieren. Das misslingt aber völlig - weil der Song einfach Mist ist und die Sängerin, die im Video blöde in einem Puppenhaus umherspringt auch nichts retten kann.......

16. Montenegro
Stefan Filipovic - Zauvijek Volim Te
Was habe ich mir da bloss angetan. Der Song ist so was von belanglos, dass es um jede Note schade ist. Immerhin kann man das Video noch als Werbeflm für den montenegrinischen Tourismusverband nutzen - dann aber bitte mit anderer Musik!

17. Moldova
Geta Burlacu - A Century Of Love
Der Anfang ist recht vielversprechend. Eine Trompete bestimmt den jazzig relaxten Sound, doch als die Sängerin dann loslegt, st der Zauber erloschen. Vielleicht liegt es auch nur an der schlechten Tonqualität des Videos, aber ich habe den Eindruck, Frau Burlacu trifft beständig den falschen Ton. Dennoch mal was anderes und vielleicht auch mit etwas Übung einer der besseren Songs des Contests - was aber bisher kein Kunststück ist......

Ich hab mir das Lied jetzt ein zweites Mal angehört und muss meine Meinung revidieren - der Song ist Mist und wird nicht besser.......

18. Malta
Morena - Vodka
Ich werde aus dem Teil nicht schlau. Die erste Minute könnte aus einem Spionage-Film entnommen sein, keine Musik, stattdessen sieht man eine Frau am Computer irgendwelche Codewörter knacken. Dann wird sie entdeckt und die Musik setzt ein.Spätestens hier fragt man sich dann, ist das schon Trash oder meinen die das noch ernst? Techno-Dorfdisko-Stampf-Rhythmus und die Sängerin singt was von "Wodka" und Yeahyeahyeah" und dann ist das Lied zu Ende und man freut sich, auch diese Prüfung überstanden zu haben

19. Lithuania
Jerominas Milius - Nomads In The Night
Au Backe - der Versuch, eine Ballade zu zelebrieren, geht hier sowas von in die Hose. Klaviergeklimper und süsslicher Synthiesound, dazu ein langhaariger Sänger mit weißem Rüschenhemd, der so tut, als könne er singen - ich frage mich, wie schlecht müssen die anderen litauischen Beiträge gewesen sein, wenn dieses Machwerk gewählt wurde.....

20. Latvia
Pirates Of The Sea - Wolves Of The Sea
Aua - was ist das denn. DJ Bobo im Piratenlook. Wieder ein dümmlicher Stampf-Rhythmus mit noch dümmlicherem Text. Dazu eine Bühnenshow, die ein wenig an die legendären Dschinghis Khan der Achtziger Jahre erinnert. Allmählich wird es schmerzhaft......

Für heute habe ich definitiv genug.....



Neue kleine Rubrik bei schöne-Töne:
Der Grand Prix de la Chanson hat ja neben vielen unerträglich schlechten Beiträgen auch immer mal wieder kleine Lichtblicke zu verzeichnen. Bands wie z.B. Athena aus der Türkei oder Zdob si Zdub aus Moldawien haben ihre Karriere durch ihre Teilnahme am europäischen Sangeswettbewerb zu mehr internationaler Anerkennung verhelfen können.

Auf der NDR-Webseite kann man alle Beiträge der teilnehmenden Nationen per Video begutachten. Im Selbstversuch werde ich mir diese Werke in umgekehrter Reihenfolge ansehen und "live" kommentieren. Meine Erwartungen sind nicht allzu hoch - ich befürchte eine Orgie des musikalischen Grauens. Ob mein Sprachschatz ausreicht, um alle Beiträge ausreichend zu würdigen, ohne in ständige Wiederholungen zu verfallen, wird sich zeigen.
Los gehts:

1) United Kingdom
Andy Abraham - Even If
Da werde ich ja schon angenehm überrascht. Eine recht flottes Stück mit funkigen Grooves. Ok - nicht unbedingt mein Geschmack - aber handwerklich ordentlich gemacht und mit guter Stimme - ein Song, der gute Chancen hat, in der Rotation der vielen privaten Rundfunkstationen zu landen - ein Lied ohne Ecken und Kanten, welches man sofort wieder vergisst, sobald der letzte Ton verklungen ist

2. Ukraine
Ani Lorak - Shady Lady
Puuh - ziemlicher Discoheuler - der Song ist so international, der könnte von überall kommen - ein ukrainischer Bezug ist nicht festzustellen. Das ist zwar nicht gefordert - aber macht meines Erachtens dann doch die Würze in diesem an sich schon faden Wettbewerb aus. Mir geht der Song nach 30 Sekunden schon ziemlich auf den Wecker....

3. Turkey
Mor ve Ötesi - Deli
Warum die Türkei, die ja nicht unbedingt als die Wiege der gitarrenlastigen Rockmusik gilt, diese Band zu ihrem Beitrag gekürt hat, weiß ich nicht - vielleicht, weil sie damals mit Athena ziemlich erfolgreich waren. Der Song erinnert stark an Athena, lediglich der Ska-dominierte Rhythmus fehlt, stattdessen wird es rockiger. Nicht schlecht, aber dem Song fehlt ein wenig ein eingängiger Refrain, um sich im Ohr festzusetzen. Aber bisher der beste Beitrag....

4. Switzerland
Paolo Meneguzzi - Era Stupendo
Da die Italiener nicht mehr beim Grand Prix mitmachen, wollen die Schweizer wohl die Lücke, die dadurch entsteht, uneigennützig füllen. Und so ist ihr Beitrag vom Typ italienische Schmonzette. Da trieft es nach wenigen Sekunden schon ziemlich unerträglich, was dann leider mit dem Einsatz von Schlagzeug, etc nicht besser wird. Dann doch lieber jodeln....

5. Sweden
Charlotte Perrelli - Hero
Oje - dann doch lieber schweizerisch-italienische Schnulzen - was Schweden da abliefert, ist Schlager-Disko der übelsten Sorte mit einer Sängerin, deren Stimme mir Kopfschmerzen verursacht. Nie wieder!

6. Spain
Rodolfo Chikilicuatre - Baila El Chiki Chiki
Einer der wenigen Beiträge, von denen ich im Vorfeld bereits gehört hatte. Die Spanier durften auf myspace eigene Beiträge zur Abstimmung stellen. Das Ergebnis ist für viele (Nicht-)Spanier ziemlich verwirrend. Gewonnen hat nämlich einer jener Trash-Titel, die in jüngerer Vergangenheit die Beschaulichkeit des Wettbewerb nachhaltig gestört hat (man denke an Guildo Horn oder diese finnischen Rocker) Das Stück ist ein Reggaeton und eigentlich gar nicht so schlecht - die Show und die Art des Gesangs zerstören aber brutal das Potential dieses Songs und machen es gleichzeitig zu einer Nummer, die aus dem seichten Allerlei, welches ich bisher vernommen habe, unterscheidet. Was immer das auch heißen mag......

7. Slovenia
Rebeka Dremelj - Vrag Naj Vzame
Das Lied fängt mit ruhigem Klavierklang an und ich befürchte schon, dass jetzt wieder eine jener schwülstigen Balladen ansteht. Doch dann springt der Rhythmuscomputer an und ich wünsche mir die schwülstige Ballade. Denn jetzt geht es wieder gnadenlos mit den Beats in den Disko-Stampf-Rhythmus und ich erinnere mich wieder an meinen Vorsatz vom letzten Jahr, in diesem Jahr nur noch Eiscafes in Fußgängerzonen zu frequentieren. Denn dieser Song gehört definitiv in das klassische "Hört-mal-was-für-geile-Boxen-ich-habe"-Jungmänner-Cabrio-Soundrepertoire, das mich im letzten Sommer so gequält hat. Einzig positives Merkmal an dem Lied ist, dass es in slowenisch gesungen ist und sich dadurch etwas vom Einheitsbrei unterscheidet. Was das Ganze aber nicht unbedingt besser macht...

8. Serbia
Jelena Tomaševic feat. Bora Dugic - Oro
Ein Song, der eigentlich ziemlicher Mist ist. Melodramatisch und mit enormen Pathos vorgetragen, kräuseln sich meine Nackenhaare bedenklich nach oben. Und doch fällt dieses Lied angenehm auf. Denn es ist bisher das erste, welches einen folkloristischen Bezug hat - wenn auch einen etwas affektierten. Ein Flötenspieler ermöglicht dem Lied eine gewisse regionale Zuordnung - und das hebt diesen Beitrag schon hinaus aus dem austauschbaren Dudelkram, den ich hier bisher größtenteils hören musste.

9. San Marino
Miodio - Complice
Und noch ein italienischer Beitrag. Irgendwie erinnert mich - der Song an eine andere italienische Band - ich komm nur nicht drauf, an welche...Egal - Miodio mischen Computergeigen mit Gitarren - das soll wahrscheinlich innovativ und modern klingen - für mich sitzen sie mit ihrem Song komplett zwischen den Stühlen. Nicht Fisch und nicht Fleisch - mit netten Zutaten, aber insgesamt doch lau und fad.

10. Russia
Dima Bilan - Believe
Ogott, was habe ich mir da angetan. Ein Typ hockt auf der Bühne und "balladet". Frauen im Publikum kämpfen mit den Tränen und ich auch, wenn auch aus anderen Gründen. Ist das der Tiefpunkt? Ich hoffe es......


Ich brauch eine Pause



Dienstag, 9. Oktober 2007
Manch einer wird sich fragen was ich denn im Moment mit dem ollen Fussballspieler habe? - ständig Posts über Maradona, das ist doch hier kein Fussballblog....

Doch nicht ich bin es, der den alten Fussballer wieder ausgegraben hat, sondern Emir Kusturica und Manu Chao.

Emir Kusturica, der begnadete Regisseur (Time of the Gypsies, Underground, Black cat, white cat) und mittelmäßige Gitarrenspieler (The No Smoking Orchestra) hat einen Film über Maradona gedreht, der sicherlich irgendwann auch den Weg in die Kinos finden wird. Und Manu Chao hat für diesen Film einen Song aufgenommen, der auch auf seiner neuen Platte "La Radiolina" enthalten ist.

Doch nicht nur Manu Chao hat über Maradona gesungen, auch einige andere Bands und Sänger haben dem kleinen argentinischen Fussballer ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Hier ist also eine Liste der 10 besten Maradona-Songs (+ Spezialpreis und ein Titel außer Konkurrenz):

Spezialpreis:
die Mannschaft des SSC Napoli 1987 (mit Maradona)- La Favola Più Bella
Anlässlich der ersten Meisterschaft wurde dieser Song aufgenommen. Den ersten Solo-Part übernahm der Meister himself. Ein wunderbares Tondokument, welches eindrucksvoll zeigt, warum nur wenige Fussballer sich gesanglich durchsetzen können und welche grauenhafte Musik in den späten 80er Jahren gesellschaftsfähig war....

außer Konkurrenz:
Werner Wichtig -Kebab (Jetzt kommt Maradona)
Zu dem Stück hab ich trotz intensiver Recherche keine Hörprobe gefunden, es soll sich um eine 1990 entstandene Coverversion des Technotronic-Hits "Get up" handeln......das klingt alles nach einem richtig schaurig-schönen Beispiel deutscher Schlagergeschichte.....

10. Doctor Krapula - El Pibe De Mi Barrio
Leider nur auf Platz 10 - nicht weil der Song so schlecht ist, sondern weil es eigentlich gar nicht um Maradona geht. Dabei war es eigentlich dieser Song, der mich zu dieser Zusammenstellung bewog. Auf der Compilation "The Rough Guide To Urban Latino" bin ich bei diesem Lied auf eine Textzeile mit "Maradona" aufmerksam geworden. La Kapanga kommt aber aus Kolumbien und in dem Stück geht es wohl um die Kindheit, als die Peles und Maradonas aus den anderen Stadtvierteln zum Fussballspielen kamen...

9. Andres Calamaro - Maradona
Andres Calamaro ist einer der führenden Rockmusiker in Argentinien und hierzulande ziemlich unbekannt. Ich kann mit seiner Musik wenig anfangen - was auch für seine Hommage an Maradona gilt....

8..Los Piojos - Marado
Noch einer dieser hierzulande unbekannten argentinischen Rockstars. Doch im Gegensatz zu Calamaro hat dieser Song etwas mehr Schwung und das Video einige schöne Momente, wie die einsamen Fussballschuhe, die symbolträchtig am Mikrofonständer baumeln oder die Szenen am Ende....dennoch nicht unbedingt mein Fall......

7. Jovine - 'O reggae e' Maradona
Seitdem Neapel wieder in der Serie A spielt, erinnert man sich dort auch wieder gerne und häufig an die glorreiche Vergangenheit - nettes Stück. Valerio Jovine kommt aus Neapel und ist der Bruder des Bassisten von 99 Posse. Eine Rezension seines letzten Albums "senza limiti" ist auf meiner "to do"-Liste und folgt hoffentlich in Kürze....

6. Kapanga - ho visto maradona (Lied beginnt erst ab 2. Minute)
Scheinbar muss jede argentinische Rockband, die etwas auf sich hält, einen Song über Maradona machen - hier also der Beitrag von Kapanga, über die ich auch nicht sonderlich viel weiß. Sieht man mal von dem exzessiven Einsatz der mir verhassten Mundharmonika ab, hat das Lied durchaus seine gelungenen Momente - dennoch nichts, wofür ich mein sauer erspartes Geld für hergeben würde....

5. Manu Negra - Santa Maradona
der Klassiker schlechthin
Doch folgt man dem Video, geht es mehr um Fussballfans und Stadionatmosphäre als um den argentinischen Spieler - dennoch klasse Lied mit tollem Video und recht jungem Manu Chao....

4. Rodrigo - La Mano de Dios
für mich der schönste argentinische Song über Diego aus Argentinien, nette Melodie mit schönem Akkordeonsound. Das Video ist sehr theatralisch, wenn der wie ein Boxer gekleidete Sänger im Ring steht und leidet....- hat was!

3. The Business - Handball und Maradona
Lied 6 und 9
Das die Engländer den Satz von "der Hand Gottes" mit ganz anderen Augen sehen als der Rest der Welt, versteht man schon.- schließlich sind die Engländer wegen dieses Tores aus dem Wettbewerb geflogen (WM 1986). Die englische Oi-Punk Band beweist, dass die Engländer nicht gut verlieren können...."Maradona you're shit, Maradona you're shit"


2. Francesco Baccini - Diego Armando Maradona (leider ohne Hörprobe)
"Tira Diego, tira Diego, tira Diego". "Zieh, Diego" - muss ich jemandem diese Doppeldeutigkeit erklären? Erstaunlicherweise habe ich kaum italienische oder neapolitanische Lieder über Maradona gefunden, obwohl er für viele Meschen Neapels eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ich war zufällig im Umland Neapels, als Napoli die Meisterschaft gewann. Ein solches spontanes Spektakel habe ich noch nie erlebt. Überall klebten Todesanzeigen, als Verstorbener war der AC Milan oder Berlusconi eingetragen. Mir kam ein Mofa entgegen, das mittels einer blauen "Rauchbombe" und eines riesigen Trichters sämtliche Luft hinter sich blau einfärbte, überall begegnetem einem Korsi (?) mit blauen Autos, blauen Rollern, blauen Eseln, blauen Hunden,.....
Jeder Außenstehende spürte die tiefe Genugtuung der Neapolitaner, es den Leuten da oben (Turin, Mailand etc) mal so richtig gezeigt zu haben. Und sie wussten auch, wem sie dass zu verdanken hatten: Ho visto Maradona, ho visto Maradona....

1. Manu Chao -La Vida Tombola
Manu Chao's Beitrag zum Film von Kusturica
"Dass das Leben einer Lotterie gleicht - gibt es dafür ein besseres Beispiel als Diego?"


Fotos
Graffiti: Diego_3336 auf flickr
dios existe: missha auf flickr
Vespa: BordeauxBristolBuenosAires auf flickr
Shirt: l o b o* auf flickr



Samstag, 17. Februar 2007
Hier der zweite Teil der Liste mit schaurig schönen Politsongs. Es fehlen ganz bewusst Lieder von Ton, Steine, Scherben, weil ich deren Songs dann doch nicht auf eine Stufe mit Bots oder Bettina Wegener stellen möchte.....
Ansonsten bin ich für Ergänzungen dankbar - vielleicht kennt ja noch jemand einen schaurig-schönen deutschen Protestsong???

Weiter geht's

Titel 8 Band für Afrika - Nackt im Wind
Deutschlands Beitrag zum LiveAud von Bob Geldorf
- aber vielleicht brauchen gut gemeinte Kampagnen schlechte Lieder....

"Nackt im Wind der brüllt und wütet
im Orkan der Menschen frisst
nackt im Wind der planlos tötet
weil er weiß dass man ihn schnell vergisst"


Titel 8 Bettina Wegener - Sind so kleine Hände
Ein Tiefpunkt der Liedermacherkunst - die Frau war immer und nur betroffen!

"Sind so kleine Hände, winz'ge Finger dran.
Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann."


Titel 10 Udo Lindenberg - Wozu sind Kriege da?
Ein unsäglicher Schmachtfetzen mit Kindergesang -
Ein guter Grund, warum Kinderarbeit verboten gehört!

"Keiner will sterben, das ist doch klar,
wozu sind denn dann Kriege da? "


Titel 11 Wolf Maahn - Tschernobyl
..und nochmal müssen Kinder herhalten, das Lied hab ich damals glücklicherweise gar nicht richtig mitbekommen

"Oh oh oh oh Tschernobyl das letzte Signal vor dem Overkill
Alle hey hey stoppt die AKWs hey"


Titel 12 Ina Deter - Neue Männer braucht das Land
Bei Ina Deter fällt mir immer eine Diskussionsrunde bei "Drei vor Mitternacht" im WDR vor langer Zeit ein, als sie nach ihren politischen Wünschen und Träumen gefragt wurde. Sie träume von einem grünen Außenminister, der nicht mit Anzug und Krawatte in der Welt rumdüst, sondern der von seinem Büro mittels Telefon die Krisen der Welt zu lösen hilft, war sinngemäß ihre Antwort. Das Publikum staunte über die politische Naivität dieser Frau - grüner Außenminister.....
Zu dem Lied sag ich lieber nix!

"Ich sprüh`s auf jede Wand,
Neue Männer braucht das Land"


Titel 13 Wolf Biermann - Soldat, Soldat
Biermann fand ich eigentlich immer doof - war für mich immer Musik für Lehrer der gymnasialen Oberstufe

"Soldaten sind sich alle gleich
Lebendig und als Leich."


Titel 14 Bots - das weiche Wasser
Bots waren so gut, die gehören zweimal auf die Platte!

"Gib bloß nicht auf, gib nicht klein bei,
das weiche Wasser bricht den Stein
Es reißt die schwersten Mauern ein,
und sind wir schwach, und sind wir klein,
wir wollen wie das Wasser sein, "


Titel 15 Arsch huh - Zäng ussenander
Auch so ein Grenzfall - eigentlich eine gute Aktion, die aber gerade in Köln schnell in eine Selbsbeweihräucherungsorgie umschlägt...

"Wie wöhr et, wemmer selver jet däät,
wemmer die Zäng ens ussenander kräät?
Wenn mir dä Arsch nit huh krieje,
ess et eines Daachs zu spät."


Wenn ich mir die Liste so ansehe und anhöre, frage ich mich, wie wir diesen Teil unserer Sozialisation relativ unbeschadet überstehen konnten. Wir haben da schon einen ziemlichen Mist gehört .
Andererseits ist es immer noch besser, mit schlechter Musik für eine bessere Welt zu kämpfen als mit guter Musik für eine schlechtere - wie viele der heute dreißigjährigen, die auf die Onkelz standen, als diese noch Böhse waren......



Freitag, 16. Februar 2007
Angeregt durch das Buch "High fidelity" von Nick Hornby überleg ich schon seit längerem, ob ich diesen Blog nicht mit allen möglichen Listen bereichern soll.

Als der goetzeclan vor wenigen Tagen seine Liste mit seinen besten Liedern und Alben aller Zeiten vorgestellt hat, musste auch ich endlich handeln. Eine Liste mit "the best forever" ist mir aber viel zu schwierig - daher versuche ich es zum Warmmachen mal mit kleineren Brötchen......

Die erste Liste beinhaltet Lieder aus den 80ern, die ich (und hoffentlich auch viele andere) damals waaaahnsinnig beeindruckend und wichtig fanden, die mir aber beim heutigen Hören ein ungläubiges Kopfschütteln und Grusel erzeugen...
- los gehts

Titel 1 Bots - Aufstehn
Bots war der Inbegriff für politisch korrekte Songs, nur war damals "politisch korrekt" noch kein Schimpfwort für eine vermeintlich herrschende Gutmenschenmeinung. Die musikalischen Fähigkeiten von Bots waren beschränkt, dafür spielten sie für fast jede gute Sache.....

"Alle, die gegen Atomkraftwerke sind,
solln aufstehn
Die Angst vor Plastikwaffen haben
in der Hand von einem Kind,
solln aufstehn"



Titel 2 Grobschnitt - Wir wollen leben
Grobschnitt war eigentlich gar nicht so bekannt für brachialpolitische Texte. Aber die damalige Zeit hatte sie wohl einfach mitgerissen....

"5000 Bäume, die heut sterben soll`n
ein Blatt Papier erklärt warum
10000 Menschen die das nicht mehr wollen
wir bleiben nicht mehr länger stumm
wir wollen leben"



Titel 3 Gänsehaut - Karl der Käfer
Dieser Kracher ist ein echter Höhepunkt ...

"Karl der Käfer wurde nicht gefragt,
man hatte ihn einfach fortgejagt"


Titel 4 BAP - Stell dir vüür
Wenn man Herrn Niedeggen heute in Interviews hört, muss man den Eindruck haben, er leidet beim Hören seiner alten Songs
- ich aber noch mehr an seinen neuen .....

"Stell dir vüür, do wöörs em Wald un hätts en Axt bei.
Stell dir vüür, ding Frau wöör och dobei.
Stell dir vüür, ne Kääl köhm, jöhv ihr Schokolädche,
tröök e Mezz eruss un jing ihr ahn de Bein.
Jo, wat däätste dann,
däätste maache Mann "



Titel 5 Joseph Beuys - Sonne statt Reagan
Dass auch anerkannte Künstler vor temporärer geistiger Trübung nicht immer gefeit sind, beweist hier Joseph Beuys -
damals sahen wir das natürlich anders...

"Denn wir wollen: Sonne statt Reagan
ohne Rüstung leben !
Ob Ost, ob West
Kalten Kriegern die Pest !"



Titel 6 Karat - Der Blaue Planet
Auch der Ostern sorgte für politisch-musikalische Argumentationshilfe...

"Wird dieser Kuss und das Wort, das ich dir gestern gab,
schon das Letzte sein ?
Wird nur noch Staub und Gestein, ausgebrannt allezeit,
auf der Erde sein ?
Uns hilft kein Gott, unsre Welt zu erhalten."



Titel 7 Puhdys - Hiroshima
Und noch ein Beitrag der DDR für die "fünfte Kolonne Russlands"(Heiner Geißler zur westdeutschen Friedensbewegung)

"Fliege mein Lied nach Hiroshima,
flieg zum Schattenstein.
Und versprich den Mann in Hiroshima
das wird nie mehr sein."


Teil 2 folgt...