Vorab will ich direkt zugeben, dass ich von amerikanischem HipHop so gut wie keine Ahnung habe. Mir geht es da wie vielen Weltmusikhörversuchern - es klingt alles gleich (schlimm?).

Insofern mache ich um die Jungs mit ihren gesungenen Sparkassenreklamen ("mein Haus, mein Boot, meine Autos, meine Frauen") in der Regel einen großen Bogen - auch dann, wenn sie einem als Erneuerer des HipHops angepriesen werden. So wäre wahrscheinlich das Tribute-Projekt des gebürtigen Somaliers und jüngsten "Erneuerer des HipHops" spurlos an mir vorbeigegangen, wenn K'naan das Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit seinen Heroen nicht zum kostenlosen Download bereitgestellt hätte. So berichteten auch einige von mir abonnierte Blogs über das Projekt und machten mich bei aller Skepsis auch neugierig, wie der Rapper seine Verehrung für Fela Kuti, Bob Marley und Bob Dylan(!) zum Ausdruck bringt.

Fela Kuti und Bob Marley sind ja in der Vergangenheit schon diverse Male durch den Remix-Reißwolf gejagt worden - mal mit besserem, mal mit grottenschlechtem Ergebnis - insofern konnte man sich ungefähr vorstellen, wie der Versuch von K'naan aussehen würde. Aber bei Bob Dylan war ich sehr skeptisch, weil die musikalischen Wurzeln von Dylan und HipHop doch ungleich weiter entfernt sind als dies bei Marley oder Kuti der Fall ist. Außerdem bin ich nie ein großer Dylan-Fan gewesen und es war mir insgeheim klar, dass die Mischung aus "ungeliebten" Singer/Songwriter und "ungeliebten" amerikanischen HipHop nichts sein kann, was mein Herz höher schlagen lässt. Doch ich habe mich gründlich getäuscht.....

Denn K'naan (und J.Period, den ich natürlich hier nicht unterschlagen will) nähert sich seinen musikalischen Vorbildern auf eine ganz eigene Weise. Man spürt jede Sekunde den Respekt vor dem musikalischen Schaffen von Dylan und Co., was ihn aber nicht davon abhält, dem Originalmaterial behutsam, aber mutig und deutlich hörbar seine eigene Note hinzuzufügen. Er fügt Originalzitate, Musik, Texte, und eigene Anmerkungen so fantastisch zusammen, dass man den Geist der Musik vergangener Tage spüren kann, gleichzeitig aber erkennt, welche Bedeutung diese Musik für die heutige Zeit noch haban kann - wenn sich Künstler wie K'naan dieser Wurzeln annehmen und uns ihre Interpretation präsentieren. Das gilt (für mich) insbesondere für das Dylan-Projekt, auch weil ich hier im Gegensatz zu Marley und Kuti in eine ganz "neue" musikalische Welt eintauche, die mich bisher kalt gelassen hat.

Mir fehlen die Worte, um meine Begeisterung für dieses Projekt eindringlich zu beschreiben, aber ich habe nie vorher eine so gelungene Hommage an die Musik der 60/70er Jahre gehört als von diesem somalischen Rapper. Wenn das die Zukunft des HipHops sein sollte, dann laufe ich morgen früh zum nächsten Juwelier, kauf mir eine fette Goldkette und werde zukünftig ein Mitglied dieser Familie.....

Inzwischen gibt es neben den einzelnen Tribute-Alben (Download hier) auch hier eine Deluxe-Edition zum kostenlosen Download, die zusätzlich noch einige unveröffentlichte Tracks enthält. Leider geht bei der Deluxe-Edition ein wenig von dem konzeptionellen Aufbau des Projekts verloren - was aber die zusätzlichen Songs wieder aufwiegen. Die einzelnen Episoden kann man aber hier noch downloaden.

Foto: josue salazar auf flickr





Danke, danke, danke! Groß!

Ach Herr Paulsen - für Sie doch immer wieder gerne...

HipHop ist auch für mich meist ein Ohrenabschalter. Da ich einen - obwohl nicht mainstreamorientierten - 20jährigen zuhause habe, muss ich die Ohren recht oft zu machen. Nur mit einem: "K-OS" mit den Alben "Exit" und "Joyful Rebellion" konnte er mich überzeugen, dass es sich lohnt, mal hin zu hören (das nur als Tipp).
Dylanbegeistert jedoch war ich - bis "Street Legal" sogar sehr.
Gefällt mit gut, was ich hier höre. Danke.

Die große Frage, die mich beim Hören der Dylan-Ausgabe beschäftigt hat, war die, wie eingefleischte Dylan-Fans (die ja in aller Regel mit Ami-HipHop wenig bis gar nichts am Hut haben) mit solchen Remixen und Bearbeitungen klar kommen. Denn im Gegensatz zu Fela Kuti und Bob Marley, die ja auch schon in der Vergangenheit durchaus von diversen Leuten "geremixt" oder anderweitig als musikalische Vorlage genutzt wurden, ist Dylan meines Wissens noch nie durch den musikalischen Reisswolf gejagt worden

Im Internet habe ich leider bisher nichts finden können - auch wenn du raptechnisch vorbelastet bist, freut es mich zu lesen, dass K'naan auch im "Dylan-Lager"punkten kann.