Samstag, 7. Februar 2009
Bob Marley wäre gestern 64 Jahre alt geworden - also widmen wir das dieswöchige tönernde Video seiner Person. Keiner hat wie er den Reggae geprägt - und deshalb gibt es unzählige Stars und Sternchen, die sich an Neuinterpretationen seiner Songs versucht haben. Vieles ist dabei aus meiner Sicht ziemlich in die Hose gegangen - aber es gibt auch eine Unmenge von gelungenen Coverversionen.

Mir haben es insbesondere einige der Coverversionen des "Redemption Song" angetan. Dabei ist die Version von Joe Strummer und Jonny Cash mein absoluter Favorit. Leider ist sie nirgendwo auf Video zu sehen - es gibt lediglich die Version von Strummer ohne Cash, die aber bei weitem nicht so gut ist.

Dann glaubte meine Lieblingsspanierin Amparo Sanchez sich ebenfalls an diesem Lied versuchen zu müssen - und schafft es zumindest ansatzweise, an Strummer/Cash heranzukommen (hier gibt es leider nur grottenschlechte Live-Mitschnitte auf YouTube) - was aber ehrlicherweise auch daran liegen kann, dass ich von Amparanoia fast alles gelungen finde........

Irgendwann bin ich dann durch Zufall an eine Version des Franzosen Tété geraten. Und ich muss sagen, auch seine Interpretation hat seine Qualitäten. Der Mann hat zweifelsohne eine ganze Menge Spirit im Blut und vermag es, nur mit einer Gitarre bewaffnet irrsinnig viel aus dem Song herauszuholen. Da können sich so arrivierte RnB Sternchen wie Alicia Keys oder Rihanna eine ziemlich fette Scheibe abschneiden...

Leider weiß ich so gar nichts über Teté, außer dass er im Senegal geboren und in Frankreich aufgewachsen ist. Und ich weiß, dass ich mich doch unbedingt mal mehr mit dem inzwischen recht umfassenden musikalischen Werk (4 Studio- und 1 Live-CD) befassen sollte......

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Freitag, 6. Februar 2009
Als ich zum ersten Mal von der Platte hörte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie so etwas funktionieren könnte und dachte bei mir, "wie schräg ist das denn?"

Da geht jemand hin und fusioniert äthiopische Musik in der Tradition der goldenen 60er und 70er Jahre mit jamaikanischen Dubkaskaden von ozeanischer Tiefe. Mir ist natürlich bekannt, dass es durch die Rastafari-Bewegung Verknüpfungspunkte zwischen dem afrikanischen und karibischen Staat gibt, aber musikalisch lagen die beiden Länder in meinen Ohren immer Lichtjahre auseinander.

Auf der einen Seite Äthiopien, dessen Musik eine reiche Tradition hat und in den letzten Jahren der Monarchie Haile Selassies eine neue Blütezeit erlebte, als die traditionellen Rhythmen mit westlichen Stilen wie Jazz, Funk und Soul verbunden wurden. Dabei wurde aber weiterhin in der Landessprache gesungen, ein Umstand, der diese Musik für unsere Ohren sehr fremd und oft sperrig klingen lässt. Einen guten Einblick über die musikalische Szene Äthiopiens bietet die CD-Compilation-Serie "Ethiopiques" , die auf dem französischen Label Buda Musique erschienen ist.

Auf der anderen Seite Jamaika, über dessen vielfältige musikalischen Traditionen ich hier nicht viel schreiben muss. Wenn es ein Land gibt, welches hierzulande mit Musik verbunden wird, dann ist es Jamaika und der Reggae. Wahrscheinlich wird diese Reduzierung auf diesen einen Musikstil nicht gerecht, aber Reggae ist das musikalische Exportgut der Insel und wird es wahrscheinlich noch hunderte Jahre bleiben - trotz unsäglicher Battyman-Tunes und vieles andere Schrottige, was unsere Ohren in der letzten Zeit zu hören bekamen. Früher war nicht immer alles besser, aber in meinen Ohren hat der jamaikanische Reggae seine goldene Zeit hinter sich gelassen - und ist längst von Reggaegruppen aus Europa oder Afrika überholt worden. Vor 20 oder 30 Jahren war das noch anders. Neben dem klassischen Roots-Reggae eines Bob Marleys oder Peter Tosh entwickelten sich immer auch neue Spielarten wie beispielsweise der Dub, bei dem mittels kräftig aufgemotzter Basslinien und verschiedenen Effekte wie Hall oder Echo ein völlig neuer Sound kreiert wurde.

30 Jahre später geht also jemand hin, schnappt sich diese beiden "historischen" Musikstile und verbindet sie miteinander. Dieser jemand ist Nick Page, Gründungsmitglied von Transglobal Underground, einer der wohl innovativsten britischen Weltmusik Ethno Bands. 2006 macht sich dieser Nick Page auf den Weg nach Äthiopien und trifft dort auf lokale Berühntheiten wie z.B. auf Sintayehu Zenebe, die auch als ???die Edith Piaf" des äthiopischen Gesangs gilt, und suchte mit ihnen zusammen nach musikalischen Wegen...

Das alles erinnert unheimlich an die Geschichte der Platte "Bole 2 Harlem Vol.1", bei der ebenfalls ein westlicher Musiker mit erfolgreicher Vergangenheit (David Schommer) sich auf den Weg nach Äthiopien macht und daraufhin beschließt, mit den musikalischen Eindrücken zu arbeiten. Aber wie um Himmels Willen kommt man im Jahre 2009 darauf, zwei unterschiedliche Musikstile der 70er Jahre miteinander zu verbinden?

Auch wenn ich diese Frage wohl nie beantwortet bekomme, das Ergebnis ist erstaunlich und hörenswert. Zwar werde ich mich nie an diese Sprache gewöhnen und einige Lieder sind in ihrer Fremdheit für mich nur schwer hörbar, aber in den guten Momenten der Platte (und davon gibt es eine ganze Menge) knallen die Songs ungemein. Wahrscheinlich klingt das ganze noch besser nach der Einnahme von bestimmten bewusstseinserweiternden Drogen, aber auch mit einer halben Flasche Medoc entfaltet der Sound schon eine ganz erstaunliche Wirkung - spätestens beim dritten Repeat.......

Dub Colossus auf myspace




Mittwoch, 4. Februar 2009
Afrikawoche bei schöne-töne - warum mich im Moment ausgerechnet drei afrikanische Platten regelrecht verfolgen, kann ich mir nicht erklären und lediglich (besorgt??) zur Kenntnis nehmen.

Bei der ersten Platte gibt es zumindest einen Erklärungsansatz: Immerhin sind Amadou & Mariam nicht erst seit ihrer Zusammenarbeit mit Manu Chao auf ihrer letzten CD "Dimanche a Bamako" eine meiner afrikanischen Lieblingsbands. Hinzu kommt, dass die neue Platte aufgrund des ungeahnten Vorgängererfolgs (z.B. Platz 4 in den französischen Charts) nicht nur von der weltmusikalischen Kritikerfraktion rezensiert worden ist. Auch einige sonst eher den modernen Rockmusikrichtungen zugewandte "professionelle" Kritiker haben sich an dem Album ausgetobt. Was dabei dann herauskommt, treibt mir manches Mal die Zornesröte oder ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht.

Doch hier und jetzt soll es nicht darum gehen, diese sicherlich äusserst fundierten Ergüsse zu kommentieren, sondern meine eigene Meinung zu dem neuesten Werk des malischen Musikerpaars kundzutun. Und damit fangen die Schwierigkeiten an........

Denn auch beim x-ten Durchhören der Platte "Welcome to Mali" fällt es mir ziemlich schwer, mir eine Meinung über diese CD zu bilden. Da ist zum Beispiel der Opener der CD namens "Sabali". Das Stück ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Blur-Frontmann Damon Albarn. Dies klingt zunächst ungewöhnlich (und ist wahrscheinlich auch ein Grund, warum sich die Rockmusikkritiker-Fraktion mit Wonne auf das Album gestürzt hat) - ist aber aus Sicht des Briten nur eine logisch Fortsetzung seiner musikalischen Biografie. Denn Herr Albarn hat sich immer schon mit afrikanischer Musik beschäftigt - das Album "Mali Music" aus dem Jahr 2002 (gemeinsam u.a. mit dem Koraspieler Tomani Diabaté) ist nur ein Ergebnis seines Interesses, ein anderes die Zusammenarbeit mit dem Fela Kuti-Schlagzeuger Tony Allen in dem Projekt "The Good, the Bad & the Queen".

Doch zurück zum Song: Sabali klingt so ganz anders als das, was man bisher von Amadou & Mariam kannte - keine Gitarrenklänge, stattdessen ein herrlich schräg-kitschertes Synthie-Discopopstück mit einer stark verfremdeten Stimme von Mariam Doumbia. Doch wo ist Amadou Bagayoko und seine charakteristische E-Gitarre? Das Stück klingt ein wenig so, als wäre Amadou mal eben aus dem Studio gegangen, um eine Kippe zu rauchen und in dieser Zeit hätte Damon Albarn mal eben mit Mariam mal was ganz Neues ausprobieren wollen....

Doch irgendwann kommt Amadou wieder zurück ins Studio und der Rest der Platte bewegt sich größtenteils in Bahnen, die man von den Alben "Wati" und "Tje Ni Mousso" kennt. Moderner eingängiger malischer afrikanischer Pop mit zwei starken Stimmen und einer virtuos eingesetzten E-Gitarre. Das ist mal besser, mal weniger gut gelungen. Mir gefallen insbesondere die Kollaborationen mit den unterschiedlichen Gastmusikern - scheinbar verstehen es die Beiden ziemlich gut, sich auf die jeweiligen Musiker einzulassen, ohne die ihnen eigene musikalische Linie zu verlassen. Das war schon so bei "Dimanche a Bamako" zu hören, als sie es schafften, die relaxte Stimmung, die die Musik von Manu Chao auszeichnet, auf "ihre" afrikanischen Rhythmen zu übertragen. Dieses Mal ist es insbesondere der mir völlig unbekannte (und ein wenig wie Manu Chao klingende) Juan Rozoff, der sich ideal mit Amadou und Mariam ergänzt.

"Welcome to Mali" ist ein gutes Album, wenn es auch nicht die hohen Erwartungen, die durch das Vorgängeralbum geweckt wurden, erfüllen kann - und welches mit "Sabali" ein Stück aufweist, welches überhaupt nicht auf die Platte passt - aber dennoch zu den Höhepunkten auf der CD gehört......

Amadou & Mariam Homepage
Amadou & Mariam auf myspace

Foto: Bryan Ledgard auf flickr




Sonntag, 1. Februar 2009
hier wieder 10 Alben, die mich durch den Januar gebracht haben (zufällige Reihenfolge):

1. Amadou & Mariam - Welcome to Mali
2. Planeta Lem - Abre la boca
3. Polkaholix - The Great Polka Swindle
4. Novalima - Afro Novalima
5. V.A. - This is Balkan Beats
6. Dub Colossus - In a town called Addis
7. V.A. - Girls like dirt
8. Ma Valise - Bon Bagay
9. LaBrassBanda - Habediehre
10. Mono & Nikitaman - Alles ausser Kontrolle